Bestandsaufnahme

Deutsche Bank erholt sich trotz mauen Handels

Die Deutsche Bank hat seit Beginn des Jahres 177 Filialen geschlossen und die Zahl der Mitarbeiter wurde in den letzten 12 Monaten um über 4.500 Mitarbeiter reduziert. Der Umbau insgesamt scheint sich für das Geldinstitut bezahlt zu machen.

Deutsche Bank© Deutsche Bank AG

Frankfurt/ Main - Der mit massivem Stellenabbau verbundene Umbau der Deutschen Bank zahlt sich aus: Nach zwei Jahren mit Milliardenverlusten arbeitet sich das Institut weiter in die Gewinnzone vor. Allerdings litt der deutsche Branchenprimus wie auch die Konkurrenz im zweiten Quartal unter der Ruhe an den Finanzmärkten, die die Einnahmen im Handel mit Aktien, Anleihen und Währungen schmälerte. Am Donnerstagmorgen sank der Aktienkurs kurz nach Handelsstart um 4,1 Prozent. Das Papier war im Verlauf der Woche allerdings auch um mehr als 6 Prozent gestiegen.

Im zweiten Quartal blieben unterm Strich 466 Millionen Euro Gewinn übrig nach lediglich 20 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Institut am Donnerstag mitteilte. Das war mehr als Analysten erwartet hatten. Vor Steuern verdoppelte sich der Gewinn auf 822 Millionen Euro.

Rückgang beim Handel mit Aktien

Die Erträge im Handel mit festverzinslichen Wertpapieren und Währungen gingen um 12 Prozent zurück; im Aktienhandel sanken sie um 28 Prozent. Schon die großen US-Banken hatten von einem mauen Handel berichtet, nachdem viele politische Unsicherheiten in den vergangenen Monaten gewichen waren. Auch das anhaltend niedrige Zinsumfeld machte der Deutschen Bank zu schaffen. Konzernweit sanken die Erträge - die gesamten Einnahmen der Bank - um ein Zehntel auf 6,6 Milliarden Euro.

Milliardenverluste wegen Rechtsstreitigkeiten

Teure Rechtsstreitigkeiten hatten der Deutschen Bank zwei Jahre in Folge Milliardenverluste eingebrockt. Nachdem im Herbst vergangenen Jahres schließlich Sorgen um die Kapitalausstattung des Geldhauses aufgekommen waren, waren kurzzeitig auch Kunden abgewandert. Spätestens nach einer erfolgreichen Kapitalerhöhung über 8 Milliarden Euro entspannte sich die Lage aber deutlich - zur Jahresmitte lag die harte Kernkapitalquote, die als Gradmesser für die Krisenfestigkeit einer Bank gilt, bei komfortablen 14,1 Prozent.

Strukturwandel unter Bankchef Cryan

Bankchef Cryan rechnet nach jüngsten Aussagen für das laufende Jahr mit einem Gewinn. Nachdem ersten Halbjahr hat er unterm Strich bereits mehr als 1 Milliarde Euro eingefahren. Die Erträge dürften allerdings nach den Erwartungen des Managements im Gesamtjahr unter den Vorjahreswerten liegen wegen der Flaute an den Märkten.

Seit seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren drückt der Brite beim Abbau teurer Rechtsstreitigkeiten aufs Tempo. Die Schließung von Filialen und der Abbau Tausender Stellen sollen Deutschlands größtem Geldhaus finanzielle Luft verschaffen. Zugleich baute Cryan die Bank um: Er integrierte die Tochter Postbank ins Privat- und Firmenkundengeschäft, legte das Investmentbanking und Kapitalmarktgeschäft wieder zusammen und will einen Teil der Fondstochter Deutsche Asset Management an die Börse bringen.

Deutlich weniger Filialen und Mitarbeiter

Die Zahl der Mitarbeiter sank in den vergangenen zwölf Monaten um 4.656 Vollzeitkräfte. Allein im zweiten Quartal gab es einen Rückgang um 1.525 auf 96.652 Stellen. Die Bank will bis 2018 weltweit unter dem Strich 9.000 Jobs im eigenen Haus abbauen, davon 4.000 in Deutschland. Den Löwenanteil muss das Privatkundengeschäft schultern. Seit Beginn dieses Jahres wurden zudem 177 Filialen in Deutschland geschlossen, am Ende sollen es 188 Schließungen sein. Deutschlands größtes Geldhaus will künftig die Kunden im Inland in 535 Filialen bedienen.

Quelle: DPA

Das könnte Sie auch interessieren
  • Deutsche Bank

    Deutsche Bank hält an Postbank fest – Jobs fallen weg

    Die Deutsche Bank wird nun doch nicht wie geplant die Postbank verkaufen. Die Strategie für den Umbau wurde folglich angepasst. Das wird voraussichtlich noch mehr Mitarbeiter ihren Job kosten. Aber auch für Aktionäre gibt es schlechte Nachrichten.

  • Postbank

    Postbank schafft fast alle kostenlosen Konten ab

    Kostenlose Konten wird es bei der Postbank sehr bald nur noch für junge Kunden geben. Als Antwort auf die Zinspolitik der EZB werden für alle übrigen Girokonten Gebühren fällig.

  • Stromtarife

    Allianz, E.ON und Deutsche Bank am beliebtesten bei den Analysten

    Die Finanzexperten von MarketAdvices.com haben die Kaufempfehlungen der größeren Finanzinstitute in den letzten Wochen gegenübergestellt und herausgefunden, dass die Aktien von Allianz, E.ON und Deutsche Bank am häufigsten empfohlen wurden. Im Gegensatz zu u.a. den Papieren von Volkswagen.

Top