Milliardenschwerer Bau

Deutsch-russischer Vertrag über neue Erdgaspipeline durch die Ostsee

Gemeinsam mit Russlands Präsident Putin und Bundeskanzler Schröder haben die Energieriesen E.ON, Wintershall und Gazprom gestern den Bau einer Gaspipeline durch die Ostsee fix gemacht. Durch die 1200 Kilometer lange Trasse sollen ab 2010 zunächst 27,5 Milliarden Kubikmeter Gas nach Deutschland gepumpt werden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Deutschland und Russland haben den milliardenschweren Bau einer Erdgaspipeline durch die Ostsee vereinbart, über die ab 2010 russisches Erdgas direkt in die Bundesrepublik fließen soll. Im Beisein von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Russlands Präsident Wladimir Putin unterzeichneten Vertreter von E.ON Ruhrgas, der BASF-Tochter Wintershall und des russischen Gaskonzerns Gazprom gestern in Berlin eine entsprechende Vereinbarung. An dem Projekt sind Gazprom mit 51 Prozent und BASF und E.ON mit jeweils 24,5 Prozent beteiligt.

Die Bausumme der über 1200 Kilometer langen Pipeline, die von Wyborg an der russisch-finnischen Grenze über den Grund der Ostsee bis nach Lubmin bei Greifswald führen soll, wird auf mehr als vier Milliarden Euro beziffert. Zunächst soll bis 2010 ein Leitungsstrang mit einer Kapazität von 27,5 Milliarden Kubikmeter pro Jahr gebaut werden. Der mit Fertigstellung des zweiten Leitungsstrangs geplante Jahresdurchsatz von 55 Milliarden Kubikmeter Gas entspricht mehr als der Hälfte des derzeitigen Erdgasverbrauches in Deutschland.

Für Schröder kann der Vertragsabschluss nicht hoch genug bewertet werden - für die Energiesicherheit Deutschlands. Schließlich ist Russland weltweit der größte Erdgasproduzent, und die angepeilte Transportleistung entspricht mehr als der Hälfte des deutschen Gasenergieverbrauchs von derzeit 90 Milliarden Kubikmetern - Tendenz steigend. Angesichts rückläufiger Zahlen bei der Nordseeförderung werden für Industrie und Privathaushalte neue Quellen gebraucht. Zudem darf nicht vergessen werden, dass mittlerweile 17,8 Millionen Wohnungen oder gut 47 Prozent des Bestandes mit Erdgas versorgt werden.

Doch nicht nur die Bürger profitieren vom russischen Erdgas, sondern auch der deutsche Anschlussort in Lubmin in Mecklenburg-Vorpommern. Mit jeweils rund 500 Millionen Euro sind hier der Bau von zwei Gas- und Dampfkraftwerken die größten derzeit geplanten Investitionen. Das Hamburger Unternehmen Concord Power will unmittelbar am Hafen ein 1200-Megawatt-Kraftwerk mit 50 Mitarbeitern errichten, für dessen Bau inzwischen alle Genehmigungen vorliegen. Es soll 2007 in Betrieb gehen, ebenso wie das daneben geplante Gaskraftwerk ähnlicher Größe, das im Verbund mit der EnBW errichtet werden soll.

Schließlich gibt es auch für Russland und insbesondere für Gazprom deutliche Vorteile. So stockt Gazprom, das über etwa 60 Prozent der russischen und 16 Prozent der Weltgasreserven verfügt, nicht nur seine Anteile an dem mit Wintershall bestehenden gemeinsamen Unternehmen Wingas auf und steigt damit noch stärker in den europäischen Gasmarkt ein. Auch wird es seine Exporte nach Westeuropa mit fast 60 Milliarden Kubikmeter kräftig ausweiten können. Bereits jetzt beträgt der Gazprom-Anteil an den europäischen Gaslieferungen gut 25 Prozent.

Ein Verlierer dieser Direktverbindung auf dem Grunde der Ostsee ist Polen, über dessen Territorium gegenwärtig die Pipelines laufen, und das dafür aus russischer Sicht überhöhte Transitgebühren verlangt. Für den russischen Präsidenten ist der neue Lieferweg ungeachtet der Kritik - hier war schon von einem "Schröder-Putin-Pakt" die Rede - auch ein großer Vorteil für die deutschen Verbraucher: "Russland kann dann ohne die Transitgebühren den Preis für Erdgas niedriger ansetzen." Für Schröder ist das gerade angesichts explodierender Energiepreise eine Steilvorlage. Deutschland gewinne "auf Jahrzehnte" mehr Sicherheit in der Energieversorgung. Das habe beim Vertrag im Vordergrund gestanden. Und sicherlich auch mit Blick auf den Wahltag fügte Schröder zu Unions-Angriffen auf diese Art von Wirtschaftsverhandlungen hinzu: "Ich rate der deutschen Opposition, sich nicht gegen die Vertretung deutscher Interessen zu stellen."

Von ddp-Korrespondent André Spangenberg

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