Nach Ahaus

Derzeit unterwegs: Letzter Castor-Transport aus Reaktor Rossendorf

In Sachsen startete heute der letzte von drei Atommülltransporten vom einstigen DDR-Forschungsreaktor Rossendorf bei Dresden ins westfälische Zwischenlager Ahaus. Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen machte sich der Konvoi mit sechs Castor-Behältern und 80 Begleitfahrzeugen auf die 600 Kilometer lange Strecke.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Rossendorf/Ahaus (ddp-nrw/sm) - Wegen Protesten von Atomkraftgegnern kam es mehrfach zu kurzen Verzögerungen, größere Zwischenfälle blieben aber laut Polizei bis zum späten Nachmittag aus. In einer Emnid-Umfrage im Auftrag der Nachrichtenagentur ddp sprach sich fast die Hälfte der Bundesbürger für eine Abkehr vom Atomausstieg aus. Die Ankunft wird für den frühen Dienstagmorgen erwartet.

Der Konvoi verließ um 11.25 Uhr das Rossendorfer Reaktorgelände. Gegen 15.00 Uhr überquerte er die Landesgrenze von Sachsen nach Thüringen. Auch in Thüringen, Hessen und Nordrhein-Westfalen hatten Anti-Atom-Initiativen Proteste angekündigt. Schwerpunkt soll heute Abend eine Großdemonstration und eine Dauermahnwache am Zwischenlager Ahaus sein. Auch bei den Castor-Transporten an den zwei vorhergehenden Montagen auf gleicher Route waren größere Zwischenfälle ausgeblieben. Insgesamt wurden 18 Castoren mit 951 Brennstäben zum Zwischenlager abtransportiert.

Vorangegangen war ein monatelanger Rechtsstreit zwischen Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Die Genehmigung für den Transport hatte das Bundesamt für Strahlenschutz bereits im März 2004 erteilt. Nicht zuletzt wegen des Widerstands der rot-grünen Landesregierung in Nordrhein-Westfalen, der letztlich erfolglos blieb, kam es jedoch zum Vollzug nicht vor der dortigen Landtagswahl im Mai.

Die Umweltorganisation Greenpeace wies darauf hin, dass in Rossendorf derzeit unter anderem noch rund sechs Tonnen Uran sowie radioaktive Abfälle aus Medizin, Industrie und Forschung lagerten. Das "radioaktive Erbe" sei durch den Brennstäbe-Abtransport nicht beseitigt.

Wie die Emnid-Umfrage im ddp-Auftrag ergab, unterstützen 47 Prozent der Bundesbürger die Pläne von CDU/CSU, die Restlaufzeiten der Atomkraftwerke über das Jahr 2021 hinaus zu verlängern. Dagegen sprechen sich 48 Prozent gegen eine Verlängerung der im Atom-Konsens zwischen rot-grüner Bundesregierung und Energiewirtschaft vereinbarten Laufzeiten aus. Die Zustimmung zur Kernenergie ist im Osten größer als im Westen. Während sich in den alten Bundesländern 45 Prozent vom Atomausstieg verabschieden wollen, sind es in den neuen Ländern 53 Prozent.

Von Jan Staiger und Alessandro Peduto

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