Missverständlich

Der Tagesspiegel: Union uneinig über Energie-Schwarzbuch

Das in der vergangenen Woche von den vier Unionspolitikern Grill, Lippold, Wöhrl und Hasselfeldt veröffentlichte "Schwarzbuch rot-grüner Energiepolitik" hat innerhalb der Partei offenbar zu Verstimmungen gesorgt, es ist jedenfalls von der Homepage verschwunden. Die Darstellung zur Bioenergie sei "missverständlich" gewesen.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin (red) - In der Union ist offensichtlich ein Streit um den Kurs in der Energiepolitik entbrannt. Das "Schwarzbuch grün-roter Energiepolitik" (das strom magazin berichtete, bitte lesen Sie hier), das die CDU erst in der letzten Woche vorgestellt hatte, ist plötzlich wieder von der Homepage der Partei verschwunden.

Die vier Autoren des Werks - die Bundestagsabgeordneten Kurt-Dieter Grill und Klaus Lippold (beide CDU) sowie Dagmar Wöhrl und Gerda Hasselfeldt (beide CSU) - hatten in weiten Teilen gegen die Förderung der erneuerbaren Energien gewettert. Auch die Bioenergie wurde dabei hart angegangen. "Angriffe gegen Trittin sind durchaus berechtigt", sagte CDU-Umweltexperte Peter Paziorek dem "Tagesspiegel" (Samstagausgabe). "Aber zur Bioenergie sind die Darstellungen mehr als missverständlich." Gerade im Wahlkampf müsse die Union klarstellen, dass sie den erneuerbaren Energien und insbesondere der Bioenergie positiv gegenüber stehe.

Pazioreks Argumentation hat laut "Tagesspiegel" einen realwirtschaftlichen Hintergrund: Denn Biomasse, -gas und -treibstoffe werden zu immer wichtigeren Einnahmequellen zahlreicher Landwirte - und das ist eine klassische Unions-Klientel. Besonders pikant: Hasselfeldt ist im Kompetenzteam von Angela Merkel zuständig für Umwelt und Landwirtschaft.

Ob das Schwarzbuch nun noch vor der Wahl am 18. September neu erscheint, war nicht zu erfahren.

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