Spareffekte langsam ausgereizt

Der Tagesspiegel: Hohe Energiekosten belasten die Bahn

Von "beunruhigend" hohen Energiekosten ist bei der Bahntochter DB Energie die Rede - nicht ohne Grund, denn in den vergangenen zwölf Monaten seien die Dieselpreise um 20 Prozent und die Strompreise um 30 Prozent gestiegen, wie der "Tagesspiegel am Sonntag" berichtet.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Berlin (red) - Die stark steigenden Kosten für Energie bringen auch die Deutsche Bahn zunehmend in Schwierigkeiten. Ein Konzernsprecher sagte dem gestern erschienenen "Tagesspiegel am Sonntag": "Wir beobachten die Entwicklung mit Besorgnis." Bei der Bahntochter DB Energie hieß es auf Anfrage sogar: "Das Niveau ist beunruhigend." In den vergangenen zwölf Monaten seien die Dieselpreise um 20 Prozent und die Strompreise um 30 Prozent gestiegen. Insgesamt mache die Energie nach Unternehmensangaben etwa zehn Prozent der Betriebskosten aus. 2003 setzte DB Energie 1,4 Milliarden Euro mit der Energieversorgung der Bahn und von Bahnkonkurrenten um.

Dabei steht die Bahn unter großem Druck zu sparen. Am heutigen Montag legt der Konzern das erste Mal Halbjahreszahlen vor. Erklärtes Ziel von Bahnchef Harmut Mehdorn ist es, in diesem Jahr endlich ein positives Betriebsergebnis zu erreichen. Dies ist auch eine der Voraussetzungen, damit ein Börsengang des Konzerns wie von Mehdorn favorisiert schon im Jahr 2006 möglich wird.

Die aktuellen Halbjahreszahlen werden die Energiekosten aber noch nicht trüben. "Die Steigerungen konnten wir bisher auffangen", sagte der Bahnsprecher. Dazu hätten langfristige Lieferverträge, aber auch neue, energiesparende Züge und eine zusätzliche Schulung der Lokführer beigetragen.

Allerdings dürften diese Effekte langsam ausgereizt sein. Ein Sprecher des Stromkonzerns RWE sagte, es gebe zwar bei Industriekunden wie der Bahn Verträge mit längeren Laufzeiten. Bei Vertragsverlängerungen würden Preisänderungen aber berücksichtigt. "Die gestiegenen Beschaffungskosten müssen wir weitergeben", sagte der Sprecher. Und die Einsparpotenziale beim Verbrauch der Züge seien ebenfalls weitgehend ausgeschöpft, wie Branchenexperten betonen - zumal die Bahn ihre Investitionen in neue Züge zurückgefahren hat und ihre Lokführer weitgehend geschult sind. "Irgendwann kann man die Preissteigerungen nicht mehr ausgleichen", sagte ein Experte. "Es wird sicher schon eng."

Auch beim Bahnkonkurrenten Connex heiße es, die gestiegenen Treibstoffkosten drückten spürbar auf die Margen, schreibt der "Tagesspiegel am Sonntag" weiter.

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