Probleme lösen

Der Tagesspiegel: EnBW-Chef verteidigt den Flächentarifvertrag

Der Vorstandsvorsitzende des Energiekonzerns EnBW, Utz Claassen, lehnt die von der Union geforderte weitere Öffnung der Flächentarifverträge ab. "Wichtiger als formale Regeln ist die Einstellung von Arbeitgebern und Gewerkschaften, Probleme zu lösen", sagte er dem Tagesspiegel (Montagausgabe).

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Laut Claassen, der früher bei Volkswagen und Sartorius gearbeitet hat, gibt es nichts Wesentliches "was man nicht im Rahmen des Flächentarifvertrages vernünftig gestalten könnte". Um die Kostenprobleme bei EnBW zu lösen will Claassen erstmals bei einem Energieversorger die Vier-Tage-Woche durchsetzen. "Besser Arbeitszeiten absenken und wieder anheben als entlassen und wieder einstellen", sagte Claassen weiter.

Der EnBW-Chef spricht sich zudem gegen eine Abschaffung der gesetzlichen Vorruhestandsregeln aus. In einer konjunkturell schwierigen Situation sei das nicht sinnvoll. Solche Regeln seien für den Staat günstiger, als jungen Menschen betriebsbedingt zu kündigen, die dann jahrelang arbeitslos würden. "Ich kann mir in diesem Land niemanden vorstellen, der lieber kündigt, statt den Vorruhestand zu nutzen."

Steigende Strompreise sagt Claassen für den Fall voraus, dass "der Klimaschutz konsequent verfolgt wird". Der Energiemanager verteidigt allerdings im Gegensatz zu vielen seiner Branchenkollegen die Linie der Bundesregierung. Deren umwelt- und industriepolitische Ziele seien ausgewogen. "Wir dürfen nicht so tun als seien die Strompreise der nächsten fünf Jahre wichtiger als die ökologische Entwicklung der nächsten 500 Millionen Jahre."

Claassen will den Berliner Gebäudedienstleister Gegenbauer-Bosse in naher Zukunft verkaufen. "Bis Jahresende hoffe ich eine Lösung vorlegen zu können. Ich will aber keine Beteiligung unter Wert verkaufen nur wegen des Zeitdrucks." EnBW soll sich im Zuge des Konzernumbaus und der Konzentration auf das Energiegeschäft von zahlreichen Beteiligungen trennen.

Weiterführende Links
Das könnte Sie auch interessieren
  • Ökostromrechner

    Kabinett segnet Ökostrom-Reform ab

    Wie geht es weiter mit dem Ökostrom-Ausbau in Deutschland? Lange konnten sich Bund und Länder nicht einigen, aber nun hat sich die EEG-Reform auch ihren Weg durch das Bundeskabinett gebahnt.

  • Auspuff

    Abgasskandal: Bald unangemeldete Abgastests und CO2-Abgaben?

    Unangemeldete Abgastests und Strafabgaben für spritfressende Fahrzeuge – damit wollen Bundesumweltministerin Barbara Hendricks und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt für mehr Umweltschutz sorgen. Gleichzeitig könnte mit der Umweltabgabe auch die E-Mobilität angekurbelt werden – so zumindest die Theorie.

  • Stromnetz Ausbau

    Kundgebung: Erneuerbares Kraftwerk vor dem Brandenburger Tor

    "Deutschland ist erneuerbar" – unter diesem Motto demonstrierten heute mehr als 5000 Menschen am Brandenburger Tor in Berlin. Vor einer Kulisse aus Wind-, Solar- und Biomassekraftwerken forderten sie von Bundesregierung und Bundestag das Tempo bei den Reformen der Energieversorgung zu erhöhen.

  • Strompreise

    Doch (noch) kein Kompromiss bei Ökostrom

    Die Verhandlungen zwischen Umwelt- und Wirtschaftsministerium über die weitere Förderung von Ökostrom sind gestern in letzter Minute gescheitert. Wirtschaftsminister Clement besteht auf einer Reduzierung der Förderungsdauer von Windenergieanlagen von 20 auf 15 Jahre, was Umweltminister Trittin wiederum ablehnt.

  • Energieversorung

    Clement erläutert seine Energiepolitik

    Rede des Bundesministers für Wirtschaft und Arbeit, Wolfgang Clement, zur Eröffnung der Energiekonferenz von Bündnis 90/Die Grünen am 27. September 2003 in Berlin.

Top