Der Castor rollt wieder

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Nach vier Jahren Pause ist heute morgen erstmals wieder ein Castor-Transport in Richtung Deutschland gestartet. In der Nähe der französischen Wiederaufbereitungsanlage La Hague wurden übers Wochenende die sechs Atommüllbehälter reisefertig gemacht. Während der heutige Start - nur von wenigen Demonstranten begleitet - keine nennenswerte Zwischenfälle vorzuweisen hat, gab es am Wochenende zahlreiche Widerstände. Im Wendland protestierten am Sonntag etwa 10.000 Castor-Gegner in Form einer "Stunkparade". Der Protest galt nicht nur dem Transport der abgebrannten Brennelemente, sondern auch der dafür verantwortlichen rot-grünen Regierung. Die an der "Stunkparade" teilnehmende Vorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen Claudia Roth musste sich zum Teil sogar scharfe Beleidigungen anhören.


Damit Transport und Proteste friedlich vonstatten gehen, hat die Bezirksregierung Lüneburg etwa 30.000 Polizisten aus allen Bundesländern angefordert, die hart durchgreifen sollen. Zusätzlich wurden die Demonstrationen mittels behördlichen Verboten stark eingeschränkt, die Errichtung zweier Camps im Raum Gorleben gar untersagt. Rund um die Gleise, auf denen der Atommüll rollen soll, ist das Betreten des Gebietes innerhalb von fünf Kilometern untersagt. Ob diese Maßnahmen ihre Wirkung erzielen, ist jedoch fraglich. Jochen Stay, der Sprecher der Anti-Atom-Initiative "X-tausendmal quer überall", kündigte an, dass man nicht einfach zusehen würde, wie die Castor-Behälter nach Gorleben rollen: "Notfalls bleibt uns nichts anderes übrig, als Verbotenes zu tun." Auch die angereisten Polizisten sind mit der derzeitigen Situation unzufrieden. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Konrad Freiberg, bezeichnete die Unterbringung der Beamten in Wohncontainern als unzumutbar.


Der Präsident des Deutschen Atomforums (DatF), Dr. Gert Maichel, bestätigte heute erneut die Sicherheit der Behälter. Die eigens für den Transport von Atommüll konstruierten Behälter würden hohen sicherheitstechnische Anforderungen unterliegen. Weiterhin sei die gemessene Strahlenbelastung unter der Nachweisgrenze. Maichel reagierte mit dieser Stellungnahme auf die Kritik von Greenpeace. Die Umweltschützer zweifeln die Sicherheit des Castors an (weitere Informationen zum angeblichen Sicherheitsdefizit hier).


Wenn der Transport planmäßig verläuft, passiert der Castor gegen Mitternacht die deutsche Grenze nördlich von Straßburg. Er wird dann am Dienstagabend an der Verladestation im niedersächsischen Dannenberg erwartet. Von dort soll er am Mittwoch auf Tiefladern ins 20 Kilometer entfernte Zwischenlager Gorleben transportiert werden.

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