Studie

Der Atomausstieg erhöht den Strompreis nur mäßig

Der Großhandelspreis für Strom wird durch den Atomausstieg nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) nur mäßig steigen. Das DIW hat für Greenpeace die Folgen der Energiewende für die Strombörse berechnet und dabei vier verschiedene Szenarien erstellt.

Stromnetz© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (dapd/red) - Eine DIW-Studie für die Umweltschutzorganisation Greenpeace beziffert den Effekt des Ausstiegs auf den Börsenpreis des Stroms bis zum Jahr 2020 mit einem Plus von 0,2 bis 0,6 Cent pro Kilowattstunde. Bis 2030 kann der Großhandelspreis für Strom nach der am Dienstag in Berlin vorgestellten Studie durch das Abschalten aller Atomkraftwerke zwischen 0,4 und 1,1 Cent steigen.

Anstieg zwischen 0,8 und 2,3 Prozent

Die vom DIW prognostizierte Erhöhung des Großhandelspreises durch den Ausstieg bewegt sich bis zum Jahr 2020 zwischen vier und zwölf Prozent. Die Stromkosten der Haushalte gingen allerdings nur zu 35 Prozent auf den Großhandelspreis zurück, sagte DIW-Energieexpertin Claudia Kemfert. Privathaushalte beglichen mit dem größeren Rest der Rechnung die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), Netzentgelte und Steuern. Auf einen mittleren Haushaltsstrompreis von 25 Cent pro Kilowattstunde bezogen ergebe sich bis 2020 durch den Ausstieg ein Preisanstieg zwischen 0,8 und 2,3 Prozent.

Vier verschiedene Szenarien

Das DIW hat für seine Studie vier verschiedene Szenarien erstellt. Sie unterscheiden sich bei der erwarteten Energieeffizienz, also bei Maßnahmen zum Stromsparen, und zudem beim Emissionshandel, über den Kraftwerksbetreiber Zertifikate für den Ausstoß von CO2 erwerben müssen. Dabei zeigte sich, dass vor allem die Energieeffizienz und damit die Höhe des künftigen Stromverbrauchs großen Einfluss auf den Preis hat. "Die positiven Wirkungen von Effizienzverbesserungen werden unterschätzt", sagte DIW-Expertin Kemfert. Durch bessere Effizienz bei der Stromnutzung könne ein Preisanstieg durch den Ausstieg auf der Atomkraft deutlich abgemildert werden.

Sündenbock Rösler

Auch Greenpeace betonte, dass bei einem stabilen Stromverbrauch dank höherer Energieeffizienz der Strompreis durch den Ausstieg kaum noch steige. Falls der Strompreis doch anziehe, sei nicht der Ausstieg verantwortlich, "sondern Bundeswirtschaftsminister Rösler, der die Energieeffizienz blockiert", sagte Greenpeace-Energieexperte Niklas Schinerl. Wenn der FDP-Politiker den Stromverbrauch in Deutschland nicht stabil halten könne, setze er die Energiewende nicht richtig um und dann steige der Preis elektrischer Energie.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Dusche

    Stromanbieterwechsel kann Durchlauferhitzer-Kosten ausgleichen

    Ein Durchlauferhitzer verursacht enorme Stromkosten im Jahr. Ein günstiger Stromanbieter macht deshalb hier besonders viel Sinn. Vergleicht man günstigere und teurere Stromanbieter miteinander, können Nutzer solcher Anlagen mit einem Anbieterwechsel die Kosten wieder ausgleichen.

  • Stromkosten

    Kostenfaktor Strom: Wann zahlen Verbraucher zu viel?

    Beim Strom unterscheiden sich Haushalte bei der Energiemenge, die sie verbrauchen, und bei dem Preis, den sie für die Kilowattstunde bezahlen. Aktuelle Verbrauchswerte geben einen Anhaltspunkt, wann Verbraucher aktiv werden sollten.

  • Energiepreise

    Japan: Erstmals seit Fukushima wieder AKW in Betrieb

    Ungeachtet aller Proteste ist in Japan erstmals seit der Atomkatastrophe von Fukushima wieder ein Reaktor in Betrieb genommen worden. Seit Ende Mai hatte Japan für rund einen Monat überhaupt keinen Atomstrom produziert, weil alle Meiler wegen Sicherheitsprüfungen heruntergefahren wurden.

  • Strompreise

    Kritik am Wechsel der Kanzlerin zu Vattenfall

    Der Wechsel des Kanzleramtes zu Ökostrom vom Energieriesen Vattenfall ist bei Umweltverbänden auf Kritik gestoßen. Mit der Entscheidung für Vattenfall trage das Bundeskanzleramt nicht gerade zur Energiewende bei, hieß es. Vielmehr festige die Kanzlerin derart die alten Strukturen.

  • Strompreise

    Altmaier lehnt Stromrabatte für ärmere Haushalte ab

    Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) lehnt trotz des absehbaren Anstiegs der Strompreise durch die Energiewende Stromrabatte für ärmere Haushalte ab. Stattdessen plädierte er in der "Bild"-Zeitung (Dienstagsausgabe) für eine Spar-Offensive - und für umfassende Energieberatungen.

Top