Halbjahreszahlen

Der 29. Februar und sein Einfluss auf den Energieverbrauch

Der Energieverbrauch in Deutschland erreichte in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres praktisch dieselbe Höhe wie im vergleichbaren Vorjahreszeitraum - obwohl das Frühjahr relativ kalt war und das Wirtschaftswachstum leicht anstieg. Bemerkbar gemacht hat sich der zusätzliche Schalttag.

Stromerzeugung© arsdigital / Fotolia.com

Berlin/Köln (red) - Mit insgesamt 6.903 Petajoule (PJ) oder 235,5 Millionen Tonnen Steinkohleneinheiten (Mio. t SKE) lag der Verbrauch auf dem Niveau des ersten Halbjahres 2011, errechnete die Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen (AGEB). Einen verbrauchssteigernden Effekt hatte neben der kühleren Witterung und dem leichten Wirtschaftswachstum der diesjährige Schalttag. Die AGEB beziffert den Mehrverbrauch des 29. Februars auf etwa 38 PJ oder 1,3 Mio. t SKE. Der effizientere Umgang mit Energie sowie statistische Effekte des Kernenergieausstiegs dämpften den Verbrauchszuwachs.

Der Mineralölverbrauch wurde bestimmt durch einen Anstieg der Nachfrage nach leichtem und schwerem Heizöl um jeweils knapp zwölf Prozent. Der kühle Witterungsverlauf sowie offenbar Befürchtungen über weiter steigende Preise sorgten für eine Aufgabe der Kaufzurückhaltung und eine Aufstockung der Heizölvorräte. Auch beim Dieselkraftstoff gab es Zuwächse. Demgegenüber sank der Verbrauch an Otto- und Flugkraftstoffen. Auch bei den Produkten für die Grundstoff- und Chemieindustrie gab es überwiegend Rückgänge. Insgesamt lag der Mineralölverbrauch im ersten Halbjahr um 0,2 Prozent unter dem des Vorjahreszeitraumes.

Mehr Steinkohle und etwas mehr Erdgas

Der Erdgasverbrauch profitierte vom vergleichsweise kühlen Wetter. Vor allem die kalten Monate Februar und April sorgten für ein Plus beim Erdgasverbrauch für die Raumheizung. Demgegenüber ging der Erdgaseinsatz für die Strom- und Wärmeerzeugung in Kraftwerken zurück. Insgesamt legte der Erdgasverbrauch in der ersten Jahreshälfte leicht um 0,4 Prozent zu.

Der Verbrauch von Steinkohle erhöhte sich um über drei Prozent. Während der Einsatz in Kraftwerken zur Strom- und Wärmeerzeugung durch zeitweise stärkere Auslastung im Vergleich zur schwächeren ersten Hälfte des Vorjahres kräftig um fast acht Prozent anstieg, verminderten sich die Lieferungen an die Stahlindustrie um knapp sechs Prozent. Der Verbrauch an Braunkohle stieg im Zuge der Inbetriebnahme von zwei neuen Kraftwerken um knapp sieben Prozent. Im weiteren Jahresverlauf werden mehrere Altanlagen vom Netz gehen, so dass der Einsatz von Braunkohle zur Stromerzeugung wieder sinken wird. Die Atomkraft verringerte ihren Beitrag im Zuge des Ausstiegsbeschlusses im ersten Halbjahr um rund 18 Prozent.

Ökostrom legt um neun Prozent zu

Die Nutzung erneuerbarer Energien erhöhte sich insgesamt um über neun Prozent. Die Windkraft konnte in den ersten sechs Monaten um 19 Prozent zulegen. Bei der Wasserkraft (ohne Pumpspeicher) gab es einen Zuwachs um 25 Prozent. Die Photovoltaik setzte ihren Aufwärtstrend fort und legte mit 47 Prozent besonders stark zu. Der Verbrauch an Biokraftstoffen verringerte sich dagegen um etwa neun Prozent.

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