Neuer Vorfall

Defekt im Notstandssystem des AKW Biblis

Im Atomkraftwerk (AKW) Biblis ist ein fehlerhafter Leistungsschalter ausgetauscht worden. Der Kraftwerksbetreiber RWE Power AG habe den Schaden bei einer Funktionsprüfung des Notschaltsystems im Block A bemerkt, wie das hessische Umweltministerium am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Biblis/Wiesbaden (dapd/red) - Erst am Dienstag hatte es Berichte über Sicherheitsmängel in dem AKW gegeben. Die Fraktionen von Grünen und Linken im Wiesbadener Landtag kritisierten Umweltministerin Lucia Puttrich (CDU) scharf wegen ihrer Aussage, das Kraftwerk Biblis sei sicher.

Die "Süddeutsche Zeitung" hatte am Dienstag unter Berufung auf ein bislang unveröffentlichtes Gutachten des Darmstädter Öko-Instituts im Auftrag des Bundesumweltministeriums berichtet, im Kraftwerk Biblis gebe es mindestens 80 sicherheitstechnisch relevante Defizite. In zahlreichen Punkten entspreche der Anfang der 70er Jahre gebaute Atommeiler nicht mehr dem heutigen Stand der Technik. Die Zeitung schrieb, das Gutachten liste Mängel zum Beispiel im Notstandssystem auf.

Notstrom für Block A funktionierte nicht

Das Notstandssystem war auch der Bereich, der repariert werden musste. Derzeit ist der Block A wegen eines geplanten Wechsels der Brennelemente für einige Wochen abgeschaltet. Nach Angaben des Umweltministeriums bemerkte der Kraftwerksbetreiber RWE Power AG am vergangenen Donnerstag bei einer Funktionsprüfung der Notstandsschaltanlage im Block A, dass der Leistungsschalter fehlerhaft war. Dadurch unterblieb die automatische Umschaltung auf die Spannungsversorgung aus dem Nachbarblock B. Nach dem Austausch des defekten Schalters sei die Prüfung noch am selben Tag erfolgreich wiederholt worden.

Der Vorfall wurde von RWE in die Kategorie N (Normal) eingestuft. Eine abschließende Bewertung des Ereignisses und der Einstufung wird laut Umweltministerium unter Einbeziehung des TÜV Nord vorgenommen.

Opposition will Biblis im Landtag thematisieren

Die Grünen-Fraktion kritisierte, der Zwischenfall zeige, dass die Notstromversorgung des AKW ohne eine externe Notstandswarte nicht gewährleistet sei. Glücklicherweise stehe der Reaktor derzeit still. Bei einem Notfall während des Betriebes hätte der Reaktor A bei diesem Fehler nicht mehr, wie eigentlich nötig, von Block B aus gesteuert werden können. "Dies aber behauptet Atomministerin Puttrich seit ihrem Amtsantritt", rügte die umweltpolitische Sprecherin der Grünen, Ursula Hammann. Dieser Vorfall zeige, dass es bei dem Verzicht auf den Bau der Notstandswarte nur um Kostenersparnis gehe und er den Profitinteressen von RWE entgegenstehe.

Die Fraktionen von SPD und Grünen wollen die Sicherheit und den Zwischenfall im AKW am Donnerstag im Landtag thematisieren. Sie brachten am Mittwoch entsprechende Eilanträge ein. Die Linken bezeichneten die Reaktoren Biblis A und B als "tickende Zeitbomben". Puttrichs Behauptung, das Kraftwerk "sei sicher, stellt die Wahrheit auf den Kopf und verharmlost die Fakten".

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