Diebstahl

Datenklau an Geldautomaten nimmt zu

Mit dem Begriff "Skimming" wird der Klau von Daten ausgedrückt, die sich auf Zahlungskarten befinden. Gerade die Giro- und Kreditkarten deutscher Emittenten stehen bei Kriminellen hoch im Kurs, da sie eine vergleichsweise hohe Bonität aufweisen.

Geldautomat Bank© HappyAlex / Fotolia.com

Frankfurt - Mitte Oktober schlagen die Ermittler am Frankfurter Flughafen zu: Die Bundespolizei nimmt zwei Asiaten fest, die gerade aus der Karibik eingeflogen sind. In deren Gepäck: Eine professionelle Ausrüstung zum Ausspähen von Kreditkartendaten, 11 manipulierte Kreditkarten und etwa 100 Kreditkartenrohlinge.

Zahlungskarten der Deutschen im Visier von Kriminellen

Daten deutscher Bankkunden stehen bei Kriminellen hoch im Kurs. "Inhaber von Zahlungskarten deutscher Emittenten verfügen im internationalen Vergleich über eine hohe Bonität. Daher sind deren Karten bzw. Kartendaten bevorzugtes Ziel von Straftätergruppierungen", stellt das Bundeskriminalamt (BKA) in seinem jüngsten Bericht zum Thema "Skimming" ("Lagebild Zahlungskartenkriminalität 2014") fest.

153 Geldautomaten in Deutschland manipuliert

Das erklärt nach Einschätzung von Branchenkennern, warum Datendiebe wieder häufiger an Geldautomaten in Deutschland zuschlagen - obwohl es für sie immer schwieriger wird, ausgespähte Kartendaten und Geheimnummern (PIN) von Bankkunden zu Geld zu machen. Nach aktuellen Zahlen von Euro Kartensysteme manipulierten Kriminelle bis einschließlich November dieses Jahres bundesweit 153 Geldautomaten. Im Gesamtjahr 2015 wurden 118 Fälle registriert.

"Skimming"-Angriffe verursachen immer höhere Schäden

Gleichzeitig sinkt der Bruttoschaden durch solche "Skimming"-Angriffe seit Jahren stetig: Ende November 2016 lag er auf dem Rekordtief von rund 1,6 Millionen Euro. Im Dezember gibt es erfahrungsgemäß kaum noch Veränderungen. Im Gesamtjahr 2015 waren es 2,7 Millionen Euro, 2014 noch 3,1 Millionen, 2013 gar 11,3 Millionen Euro.

"Wir nehmen an, dass die Attacken zunehmen, weil es nicht mehr so einfach ist, an verwertbare Kartendaten zu kommen", erklärt Margit Schneider von Euro Kartensysteme. Die Einrichtung kümmert sich im Auftrag der deutschen Kreditwirtschaft um das Sicherheitsmanagement für Zahlungskarten. An Fahrkartenautomaten oder Türöffnern von Banken versuchten sich Datendiebe in Deutschland zuletzt nicht mehr.

Mehr Sicherheit durch EMV-Chips

Vor allem die Einführung der EMV-Technik hat nach Einschätzung der Branche Kriminellen das Handwerk erschwert. EMV-Karten sind mit einer Art Mini-Computer ausgestattet: Der Datensatz wird verschlüsselt, die Karte bei Gebrauch auf Echtheit geprüft - und zwar bei jedem Einsatz sowohl am Geldautomaten als auch an der Ladenkasse.

In Deutschland sind seit Ende 2010 alle inzwischen gut 100 Millionen Girocards mit EMV-Chip ausgestattet, ebenso sämtliche knapp 60.000 Geldautomaten und 720.000 Terminals im Handel.

Kartendubletten nur mit Magnetstreifen

Weil sich die EMV-Technik weltweit zunehmend durchsetzt, müssen Kriminelle weit reisen oder gut vernetzt sein, um in Deutschland gestohlene Bankdaten zum Bezahlen oder Einkaufen zu missbrauchen. Kartendubletten funktionieren im Grunde nur noch dort, wo Bezahlkarten nach wie vor mit leicht kopierbaren Magnetstreifen ausgerüstet werden. Bis einschließlich November stellte Euro Kartensysteme vor allem in den USA (39 Prozent Schadensanteil) und Indonesien (27 Prozent) Umsätze mit hierzulande geklauten Daten fest.

Gut für die deutsche Kreditwirtschaft: Wegen internationaler Abkommen müssen die Länder mit den niedrigsten Sicherheitsstandards für Schäden aus betrügerischen Geschäften mit geklauten Kartendaten aufkommen. Daher bleibt nach Branchenschätzungen von dem aktuellen Schaden durch "Skimming" an Geldautomaten in Deutschland höchstens eine Million Euro an heimischen Banken und Sparkassen hängen.

Mehr Diebstahl als Datenklau

Gut für "Skimming"-Opfer: In der Regel ersetzen Banken und Sparkassen den Schaden in voller Höhe - vorausgesetzt Bankkunden sind sorgfältig mit Bezahlkarte und PIN umgegangen. Das gilt auch, wenn die Originalkarte gestohlen wird und Kriminelle dann damit Geld abheben oder einkaufen, wie Sicherheitsexpertin Schneider erläutert. Mit 14,2 Millionen Euro Schaden (Stand Ende November 2016) schlägt der Diebstahl von Zahlungskarten weitaus kräftiger zu Buche als "Skimming" - ein Trend, den Schneider seit Jahren beobachtet.

Experte: Bürger sind zu unachtsam

Viele Verbraucher machten es Taschendieben zu leicht, sagt die Expertin: Weil sie die Geheimnummer zusammen mit der Bankkarte im Geldbeutel bei sich tragen. Die Branche habe Milliarden in höhere Sicherheit beim Plastikgeld investiert, resümiert Schneider: "Es liegt jetzt an der Achtsamkeit des einzelnen Bürgers."

Quelle: DPA

Ausführliche Infos zum Thema
Das könnte Sie auch interessieren
  • Geld abheben

    Abheben am Automaten: Gebühren auch beim eigenen Geldinstitut

    Gebühren für das Geldabheben am Automaten – Das kennt man für gewöhnlich nur, wenn im Ausland oder an Fremdautomaten Geld abgehoben wird. Bei einigen Sparkassen und Volksbanken müssen die eigenen Kunden im Inland für den Dienst zahlen.

  • Geld abheben

    Bis zu acht Euro am fremden Geldautomaten

    Am fremden Geldautomaten kann Geldabheben immer noch sehr teuer sein. Wie ein Test zeigt, können bis zu acht Euro für eine Abhebung fällig werden. Mit ein paar Tricks lassen sich die Zusatzkosten aber oft auch ganz umgehen.

  • Geld abheben

    Sparkassen-Geldautomaten lagen stundenlang lahm

    Viele Sparkassen-Kunden, die am Freitag Geld an einem der vielen Geldautomaten abheben wollten, gingen leer aus. Tausend Automaten in mehreren Bundesländern lagen aufgrund einer technischen Panne lahm.

  • Geld abheben

    An Geldautomaten wird es für Fremdkunden teurer

    Geld abheben wird für Fremdkunden teilweise deutlich teurer. Viele Privatbanken erhöhen die Gebühren nach fünf Jahren erstmals. Statt 1,95 Euro müssen Sparkassen-Kunden an einem Automaten der Deutschen Bank nun 3,95 Euro zahlen.

Top