Zerlegung von Großkomponenten

Dampferzeuger aus Obrigheim im Zwischenlager Nord

Die Energiewerke Nord GmbH (EWN) will künftig in ihrem atomaren Zwischenlager Nord (ZLN) bei Greifswald auch verstrahlte Großkomponenten aus westdeutschen Kernkraftwerken zerlegen. Als erste Mega-Segmente wurden gestern zwei kontaminierte Dampferzeuger aus dem stillgelegten AKW Obrigheim in das Speziallager überführt.

Hochspannungsmasten© Günter Menzl / Fotolia.com

Lubmin (ddp-nrd/sm) - Die abgeschirmten, jeweils 177 und 203 Tonnen schweren Sektionen wurden zunächst mit einem Schwerlastkran auf zwei 24-rädrige Spezialtransporter verladen und anschließend in den Hochsicherheitstrakt bei Greifswald bugsiert. Zuvor waren sie mit einem Schubverband über Neckar, Rhein, Ruhr und Oder, das Stettiner Haff und den Peenestrom an den Greifswalder Bodden verschifft worden. Nach einer Abklingphase sollen die Großkomponenten in den nächsten Jahren dekontaminiert und anschließend zerlegt werden.

Zerlegung von Großkomponenten

EWN-Geschäftsführer Jürgen Ramthun sagte, im Zuge der vorgesehenen Stilllegung von Meilern in den alten Bundesländern werde sich das Unternehmen in den nächsten Jahren verstärkt um weitere Fremdaufträge bewerben. "Wir sind bundesweit als einziges Unternehmen in der Lage, kontaminierte Großteile mit Durchmessern bis vier Meter zu zersägen." Zudem könnten mit der Übernahme zusätzlicher Aufträge die Spezialanlagen besser ausgelastet und somit die Unternehmensbilanz verbessert werden.

In den vergangenen Jahren waren bereits radioaktive Komponenten aus Rossendorf bei Dresden, Karlsruhe (Baden-Württemberg), Hanau (Hessen) und Jülich (Nordrhein-Westfalen) zur Zerlegung nach Lubmin geliefert worden. Ende 2007 hatte die EWN gerichtlich durchgesetzt, dass im Lubminer Zwischenlager auch Atommüll anderer Betreiber für die Dauer von fünf Jahren zur Pufferung gelagert und anschließend über einen weiteren Zeitraum von bis zu fünf Jahren bearbeitet werden darf.

Nach Angaben von ZLN-Bereichsleiter Uwe Kopp werden die schwach- und mittelstrahlenden Anlagen nach einer Zwischenlagerung unter hohen Sicherheitsvorkehrungen zunächst mit Sand- und Hochdruckwasser-Strahlern sowie mit chemischen Spezialverfahren gereinigt und dekontaminiert. Anschließend würden die Segmente mit einer Band- oder einer Seilsäge zu bis zu 450 Kilo schweren Einzelteilen zerlegt und nach behördlicher Prüfung dem Schrotthandel zugeführt.

ZLN zu fast 80 Prozent ausgelastet

Das vor zehn Jahren in Betrieb genommene Zwischenlager ist gegenwärtig zu fast 80 Prozent ausgelastet. Insgesamt befinden sich in dem achtteiligen Hallenkomplex derzeit rund 21.600 Tonnen kontaminiertes Material.

In einem Hochsicherheitstrakt lagern inzwischen 65 Castorbehälter mit hochverstrahlten Brennelementen der stillgelegten ostdeutschen Kernkraftwerke Lubmin und Rheinsberg. In den anderen sieben Lagerhallen wurden bislang 69 Großkomponenten deponiert. Zu ihnen gehören die verstrahlten Reaktoren 1, 2 und 5 aus Lubmin sowie das Reaktorgefäß aus Rheinsberg. Zerlegt wurde bereits der kleine Forschungsreaktor aus dem sächsischen Rossendorf. Darüber hinaus befinden sich gegenwärtig 19 ausgebaute Dampferzeuger und zahlreiche weitere Großteile wie Druckhalter im Sicherheitslager.

Neben der Lagerung werden im ZLN auch Maschinenteile dekontaminiert, zerlegt, verpresst und nach behördlicher Genehmigung anschließend dem Schrotthandel zugeführt. Jährlich verlassen auf diese Weise rund 4000 Tonnen Material das Lager.

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