Desertec-Projekt

Club of Rome bei Wüstenstrom aus Afrika sehr zuversichtlich

Der Club of Rome verteidigt die Idee einer europäischen Energieversorgung durch Solarstrom aus Afrika. Schon in 5 Jahren könnte der erste Strom fließen, in zehn Jahren sei er wettbewerbsfähig. Auch der Aufsichtsratschef der Desertec-Stiftung weißt Einwände gegen das Desertec-Projekt zurück.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Köln/Halle (ddp/red) - Innerhalb nur eines Jahrzehnts könnte dieser Strom wettbewerbsfähig sein mit der gegenwärtigen Energieerzeugung aus Kohlekraftwerken, sagte der Präsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome, Max Schön. Zudem werde eine solche Milliardeninvestition in Nordafrika helfen, dort den Lebensstandard zu verbessern und Flüchtlingsströme einzudämmen.

Erster Strom schon in fünf Jahren

Expertenschätzungen zufolge könnte künftig bis zu einem Viertel des europäischen Stromverbrauchs mit Strom aus sonnenreichen Gegenden in Nordafrika und im Nahen Osten gedeckt werden. Die erforderlichen Investitionen werden auf etwa 400 Milliarden Euro geschätzt. Mitinitiator des Mammutprojektes "Desertec" ist die Münchner Rück. Investoren gehen davon aus, dass der erste Strom bereits in fünf Jahren fließen könnte.

Unabhängiger von Kohle, Öl und Gas

Schön betonte, angesichts des Klimawandels müssten alle Möglichkeiten genutzt werden, Europa unabhängiger von fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas zu machen. Zwar sei es richtig, dass Solarstrom gegenwärtig noch nicht so billig produziert werden könne wie aus anderen Energiequellen. Doch sinke die Verfügbarkeit anderer Rohstoffe, hinzu kämen steigende Reparaturaufwendungen für Spätschäden. Dadurch näherten sich beide Kosten an. In etwa einem Jahrzehnt sei hier Gleichstand erreicht.

Investitionen sind Peanuts für die Energiebranche

Der Aufsichtsratschef der Desertec-Stiftung, Gerhard Knies, hat Einwände gegen das Projekt zurückgewiesen. Kurz vor der geplanten Gründung eines Industriekonsortiums sagte der Physiker dem Radiosender MDR INFO, die notwendigen Investitionen von 400 Milliarden Euro bezögen sich auf einen Zeitraum von 40 Jahren. Pro Jahr gehe es also um 10 Milliarden Euro. Im Vergleich zu dem, was im Energiebereich sowieso investiert werde, sei das "eine kleine Summe". Wörtlich sagte Knies: "Im Kraftwerkssektor sind das Peanuts."

Mehr Stabilität für Nordafrika

Knies wies auch das Argument zurück, Europa würde sich damit von problematischen Staaten abhängig machen. Er hielt dem entgegen: "Bei der Öl- und Gasversorgung sind wir schon jetzt sowohl von Libyen und Algerien sehr abhängig - und das klappt hervorragend." Mit Jordanien, Ägypten, Tunesien oder Marokko stünden weitere "recht stabile und zuverlässige" Länder als mögliche Partner bereit. Zudem würden diese Staaten zusätzlich stabilisiert, wenn sie eine Industrie zum Bau der Kollektoren entwickelten und dann den Stromverkauf als Einnahmequelle hätten. Das könne helfen, die Arbeitslosigkeit zu senken und soziale Probleme zu lösen.

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