Energiemix

China und Indien wollen Atomkraft deutlich ausbauen (Upd.)

China und Indien setzen künftig verstärkt auf Atomenergie. Der indische Staatskonzern NPCIL unterzeichnete am Mittwoch in Neu Delhi eine Absichtserklärung zum Kauf von bis zu sechs Europäischen Druckwasserreaktoren (EPR) vom französischen Atomkonzern Areva. China will seinen Atomstrom-Anteil von derzeit einem auf fünf Prozent im Jahr 2020 steigern.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Neu Delhi/Peking (AFP/sm) - Areva-Chefin Anne Lauvergeon sagte, die Kaufverträge für die Lieferung von zwei der Druckwasserreaktoren nach Indien dürften noch in diesem Jahr abgeschlossen werden. Die Vereinbarung beinhalte auch die Versorgung der Reaktoren mit Brennstoff für deren gesamte Lebensdauer von etwa sechzig Jahren. Der Stückpreis pro EPR liegt bei vier bis sechs Milliarden Euro, wobei bei der Lieferung mehrerer Reaktoren Rabatte gewährt werden dürften.

Indien, die zehntgrößte Wirtschaftsmacht, betreibt derzeit 17 Atomreaktoren. Die Atommeiler liefern aber nur 2,5 Prozent der Energie für den Subkontinent, auf dem mehr als eine Milliarde Menschen leben. Es wird erwartet, dass der Anteil bis 2020 auf vier bis fünf Prozent steigt. Nach Angaben der Regierung ist der Energiebedarf des Landes zu Spitzenzeiten um 16 Prozent höher als das vorhandene Stromangebot. Die Industrie schätzt die Differenz sogar auf 25 Prozent. Der indischen Planungskommission zufolge haben etwa 600 Millionen Menschen keinen Anschluss an das Leitungsnetz.

In China sollen bis 2020 jährlich 70 Gigawatt Strom mit Hilfe von Atomreaktoren produziert werden, genug, um 70 Städte von der Größe San Franciscos zu versorgen. Bislang war ein Ausbau auf 40 Gigawatt Strom bis 2020 geplant, berichteten die staatlichen chinesischen Medien unter Berufung auf die Nationale Energiebehörde. Derzeit produziert China in elf Atomreaktoren neun Gigawatt Strom. Zwei Drittel aller in China benötigten Energie liefern heute klimaschädliche Kohlekraftwerke.

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