Absenkung des Energieverbrauchs

Chemiebranche: Zum Energiesparen alle Chancen nutzen

Um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen auch in der chemischen Industrie voranzutreiben, müssten gesetzliche Hürden beseitigt und die Grundlagenforschung in Deutschland vom Bund stärker gefördert werden. Das forderte Dr. Jürgen Hambrecht, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), kürzlich in Potsdam.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Frankfurt/Main (red) - Die wirksamste Maßnahme, um Wirtschaft und Gesellschaft langfristig weniger abhängig von fossilen Ressourcen zu machen, sei die Absenkung des Energieverbrauchs. "Damit erreichen wir mit Abstand am meisten für die Ressourcenschonung in Deutschland", erläuterte Dr. Jürgen Hambrecht, Präsident des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), kürzlich in Potsdam.

Allein durch einen flächendeckenden Einsatz von modernen Dämmstoffen im Altbaubestand könnten jährlich über 65 Millionen Tonnen Erdöl und Erdgas für Heizzwecke eingespart werden. Außerdem müsse man intensiv daran arbeiten, so der VCI-Präsident, neue Energiequellen zu erschließen. Hambrecht warnte dagegen vor zu hohen Erwartungen an den Einsatz nachwachsender Rohstoffe mit Blick auf die Einsparung fossiler Ressourcen. Speziell die chemische Industrie benötige nur vier Prozent vom gesamten Erdölbedarf in Deutschland als Rohstoff für die Produktion.

Um den Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen auch in der chemischen Industrie voranzutreiben, müssten gesetzliche Hürden beseitigt und die Grundlagenforschung in Deutschland vom Bund stärker gefördert werden. "Nachwachsende Rohstoffe bieten eine Menge Chancen für unsere Branche. Ihr Innovationspotenzial können wir aber nur mit der Bio- und Gentechnik ausschöpfen", betonte Hambrecht in Potsdam. Der VCI-Präsident kritisierte in diesem Zusammenhang das vor kurzem novellierte Gentechnik-Gesetz als "ebenso bleischweren wie unnötigen Hemmschuh".

Als kontraproduktiv für die industriellen Chancen nachwachsender Rohstoffe wertete der VCI-Präsident und BASF-Chef staatlich vorgegebene Verwendungsquoten oder eine Förderung durch Energiepreisaufschläge analog zum Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Danach soll die chemische Industrie bis 2020 ihren Rohstoffbedarf zu einem Viertel aus Biomasse decken. "Solche Instrumente untergraben die Wettbewerbsfähigkeit neuer Produkte und leisten nur unwirtschaftlichen Lösungen Vorschub", sagte Hambrecht. Auch der Einsatz nachwachsender Rohstoffe müsse sich an den Bedingungen des Marktes orientieren: "Produkte oder Verfahren auf dieser Basis müssen wirtschaftlich, technisch und ökologisch eine bessere Alternative zum Erdöl darstellen."

Das könnte Sie auch interessieren
  • Erdölpumpen

    Öl und Gas: Suche nach neuen Lagerstätten hat begonnen

    Die Öl- und Gasproduktion in Deutschland geht allmählich zurück. Deshalb hat sich die Industrie auf die Suche nach neuen Lagerstätten begeben. Gleichzeitig wird auch die Weiterentwicklung bereits vorhandener Stätten vorangetrieben.

  • Erdgaspreise

    Deutschland produzierte 2016 weniger Gas und Öl

    Die Öl- und Gasproduktion ist in Deutschland weiter rückläufig. Die Industrie investiert weniger in Probebohrungen und die Ressourcen sind zunehmend erschöpft, so das niedersächsische Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie.

  • Strom sparen

    Grüne: Ökosteueränderungen möglicherweise noch vor der Wahl

    Der stellvertretende Grünen-Fraktionsvorsitzende Reinhard Loske hält Reformen der Ökosteuer noch vor der Bundestagswahl 2006 für möglich. Bundesumweltminister Jürgen Trittin (Grüne) hat indes vor einem ökologisch maskierten Protektionismus gewarnt, und auch die FDP lehnt eine Weiterentwicklung der Ökosteuer ab.

  • Hochspannungsleitung

    Landkreis Kaiserslautern fördert Energie aus heimischen Quellen

    Der Landkreis Kaiserslautern will in den kommenden zwei Jahren Vorhaben entwickeln, wie der Landkreis und seine neun Verbandsgemeinden den Energieverbrauch senken und dabei neue Energiequellen nutzen können. Umweltministerin Margit Conrad (SPD) startete dazu jetzt ein Pilotprojekt.

  • Hochspannungsmasten

    Minol Messtechnik gibt Tipps zur Senkung der Heizkosten

    Rund die Hälfte der Energie, die ein Privathaushalt verbraucht, entsteht durch die Heizung. Um dabei Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen, gibt Minol Messtechnik einige Tipps zum Verbraucherverhalten, um sparsamer mit Energie umzugehen. Dazu gehört nicht nur die Erneuerung einer veralteten Heizungsanlage.

Top