Arentz unter Beschuss

CDA-Chef lässt nach Kritik Arbeitsverhältnis bei RWE Power AG ruhen

Nach heftiger Kritik an seiner Beschäftigung bei der RWE Power AG, für die er "ohne erkennbare Arbeitsleitung" im Jahr 60 000 Euro kassierte und ein Stromdeputat von 7500 Kilowattstunden jährlich bekam, lässt der Chef der CDU-Sozialausschüsse (CDA), Hermann-Josef Arentz, das Arbeitsverhältnis nun ruhen.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp-nrw/sm) - Nach Kritik an einer Beschäftigung bei der RWE Power AG lässt der Chef der CDU-Sozialausschüsse (CDA), Hermann-Josef Arentz, das Arbeitsverhältnis ruhen. Er habe den Vorstandsvorsitzenden des Unternehmens am Freitag in einem Schreiben gebeten, die Beschäftigung für die Dauer seiner Abgeordnetentätigkeit im Düsseldorfer Landtag ab sofort ohne Bezüge auszusetzen, teilte der Kölner CDU-Politiker mit.

Arentz reagierte damit auf einen Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers", wonach dem Jahresgehalt des Landtagsabgeordneten bei RWE von fast 60 000 Euro und einem Stromdeputat von 7500 Kilowattstunden jährlich keine erkennbare Arbeitsleistung gegenüber stehe. Im Gespräch mit der Zeitung hatte Arentz, der seit 1980 dem Düsseldorfer Landtag angehört, die Angaben im Wesentlichen bestätigt. Ein Sprecher des Energiekonzerns teilte dazu mit, Arentz verfüge über "umfassende sozialpolitische Kompetenz", die er in der Vergangenheit insbesondere in die RWE Rheinbraun AG eingebracht habe.

Scharfe Kritik kam anschließend von SPD und Grünen in NRW. SPD-Generalsekretär Michael Groschek betonte, Arentz habe zuletzt in einem Interview ein "vorbildliches" und "ethisches" Verhalten der Eliten in Deutschland gefordert. Für sich selbst lege der CDA-Chef indes völlig andere Maßstäbe an. "Mit dieser Geschmacklosigkeit hat der Mann, der sich gerne als soziales Gewissen der CDU begreift, seine Glaubwürdigkeit komplett verspielt", kritisierte Groschek.

Es handele sich um eine "legalisierte - sicherlich versteuerte - Form der Lobbyarbeit", sagte der energiepolitische Sprecher der Grünen-Landtagsfraktion, Reiner Priggen. "Man sollte genau hinschauen, wann Herr Arentz sich eher für das Allgemeinwohl und wann für das Wohl des Unternehmens einsetzt", fügte er hinzu. Rückendeckung erhielt Arentz hingegen von CDA-Hauptgeschäftsführer Ralf Brauksiepe. Dies sei eine Sache zwischen dem Unternehmen und dem Beschäftigten. Eine Gegenleistung bestehe im Übrigen nicht nur darin, "dass man sich 40 Stunden in der Woche im Büro den Hintern platt sitzt". Brauksiepe betonte weiter, dass der Vorgang Arentz in der CDA "ganz sicher nicht" schade. Dahinter stecke aber offensichtlich "ein durchsichtiges Kalkül im Vorfeld des Parteitages". Am Wochenende beginnt der CDU-Bundesparteitag in Düsseldorf.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Hochspannungsleitung

    Defekt im Notstandssystem des AKW Biblis

    Im Atomkraftwerk (AKW) Biblis ist ein fehlerhafter Leistungsschalter ausgetauscht worden. Der Kraftwerksbetreiber RWE Power AG habe den Schaden bei einer Funktionsprüfung des Notschaltsystems im Block A bemerkt, wie das hessische Umweltministerium am Mittwoch in Wiesbaden mitteilte.

  • Stromtarife

    Brandbrief der Energiekonzerne an die Bundesregierung

    Die vier großen Energiekonzerne E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW dringen offenbar in einem Brandbrief an Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU) auf eine zügige Wiederaufnahme der Monitoring-Gespräche zwischen Energiewirtschaft und Bundesregierung.

  • Hochspannungsmasten

    60 000 Euro für CDA-Chef ohne erkennbare Arbeitsleistung für RWE

    Hermann-Josef Arentz, CDA-Vorsitzender im Düsseldorfer Landtag, erhält vom Stromkonzern RWE ein Jahresgehalt von etwa 60 000 Euro und ein Stromdeputat von 7500 Kilowattstunden jährlich. Laut "Kölner Anzeiger" steht dem keine erkennbare Arbeitsleistung gegenüber.

  • Energieversorung

    Mehrzahl der NRW-Energieversorger will Strompreise erhöhen

    103 der 132 in Nordrhein-Westfalen ansässigen Versorger wollen zum Jahreswechsel die Strompreise erhöhen, berichtet die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" in ihrer Samstagausgabe. Die geforderten Preisanhebungen lägen im Schnitt unter einem Cent pro Kilowattstunde, die Forderung von RWE sei allerdings deutlich höher.

  • Energieversorung

    Forderung nach Kohlesteuer stößt auf scharfte Kritik

    Nach Veröffentlichung des Berichts in der "Rheinischen Post", demzufolge Braunkohle mit jährlich 960 Millionen Euro subventioniert wird, forderte Reiner Priggen (Grüne) eine Kohlesteuer und somit Gleichbehandlung für Kohle und Erdgas. Das stößt bei Politikern aller Coleur auf Kritik.

Top