"Das günstigste Risiko"

Castor-Transporte kommen Sachsen teuer zu stehen

Der geplante Transport von alten Castor-Behältern aus dem Kernforschungszentrum Rossendorf nach Russland kommt den Freistaat Sachsen teuer zu stehen. Sachsen plant noch in diesem Jahr einen ersten Castor-Transport von alten Brennstäben aus Rossendorf nach Russland.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Dresden/Rossendorf (dapd/red) - Entsprechende Anträge seien eingereicht worden, sagte Udo Helwig, Direktor des Vereins für Kernverfahrenstechnik und Analytik Rossendorf, am Freitag in Dresden. Ursprünglich sah der Zeitplan den Transport aller 951 Brennstäbe bis Ende dieses Jahres vor. Sie waren im Frühjahr 2005 aus Rossendorf per Lkw zunächst ins Zwischenlager nach Ahaus in Nordrhein-Westfalen geschickt und dort zwischengelagert worden.

Die Staatsregierung kalkuliert nach Angaben des Wissenschaftsministeriums mit Transportkosten von mindestens 35 Millionen Euro. Etwa die Hälfte der Summe sei im Entwurf des Doppelhaushaltes 2011/2012 enthalten. Zeitpunkt und Strecke des Transportes stehen noch nicht fest. Sie werden entweder per Lkw, Schiff oder Bahn nach Russland gebracht.

Die Zwischenlagerung in Ahaus ist aus Sicht des zuständigen Staatssekretärs Hansjörg König "das günstigste Risiko für Sachsen". Es hätten nicht ausgeschlossen werden können, dass Sachsen seine Brennelemente wieder zurücknehmen muss. Zugleich seien mit dem Zwischenlager Ahaus am Standort Rossendorf Betriebskosten von jährlich einer Million Euro weggefallen. Außerdem habe Sachsen in Ahaus Lagergebühren von bisher zwei Millionen Euro gezahlt.

Die ursprünglich aus Russland stammenden Brennelemente des früheren DDR-Kernforschungszentrums können den Angaben zufolge nur in Russland in einer dafür gebauten Anlage aufgearbeitet werden. Russland hatte sich 2005 in internationalen Abkommen zur Rücknahme von Brennstäben aus seinem Besitz verpflichtet.

Derzeit werden die kerntechnischen Altanlagen in Dresden-Rossendorf weiter abgebaut. Der Verein für Kernverfahrenstechnik und Analytik arbeitet zugleich als Sammelstelle für radioaktive Abfälle in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Der Freistaat unterstützt Forschungszentrum und Rückbau nach eigenen Angaben mit 17 Millionen Euro in diesem Jahr. Wegen der Sparzwänge seien im Doppelhaushalt 2011/2012 jedoch nur jeweils zwölf Millionen vorgesehen, sagte König. Dadurch verzögere sich allerdings der Rückbau.

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