Endlager dringend gesucht

Castor-Transport entfacht die Diskussion über Atommüll-Lager

Der von zahlreichen Protesten begleitete Castor-Transport ins niedersächsische Zwischenlager Gorleben belebt die Diskussion über die Nutzung der Atomkraft und die Lagerung der dabei produzierten Abfälle. Streitthema bleibt, ob Gorleben als Endlager freigegeben oder nach Alternativen gesucht werden soll.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp/sm) - Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) sagte, es gebe keinen überzeugenden fachlichen Grund, die Entscheidung für Gorleben als Endlager noch einen Tag hinauszuzögern. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) dürfe nicht ständig verzögern und aus ideologischen Gründen blockieren. Gorleben sei ein geeigneter Standort. Dies habe gerade wieder ein wissenschaftliches Gutachten der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe bewiesen. Außerdem seien dort schon 1,5 Milliarden Euro investiert worden. "Eine Abkehr wäre ökonomisch und ökologisch nicht verantwortbar", sagte Söder.

Niedersachsen fordert Alternativen zu Gorleben

Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) fordert von Gabriel, Alternativen für den Standort Gorleben als Atommüllendlager vorzulegen. Es reiche nicht, lediglich gebetsmühlenartig eine alternative Standortsuche zu fordern, ohne selbst einen Vorschlag zu machen, in welche Richtung es gehen könnte.

Die große Koalition in Berlin sei in der Frage der atomaren Endlagerung keinen Schritt weitergekommen als die rot-grüne Bundesregierung. "Dabei sind die Atomtransporte in dieser Form weder dem Lande Niedersachsen noch der Bevölkerung im Wendland zuzumuten", sagte Sander. Der Freidemokrat forderte die Bundesregierung auf, noch vor der Bundestagswahl einen neuen Anlauf zu nehmen, um die Entsorgungsproblematik zur Entscheidung zu bringen. "Wir brauchen jetzt eine weitere Erkundung Gorlebens und gleichzeitig einen konkreten Vorschlag für eine Alternative", sagte Sander.

Strahlung der Atombehälter überprüfen

Der Chef der Strahlenschutzkommission des Bundes, Rolf Michel, forderte eine Überprüfung der Strahlung an den beim jüngsten Atommülltransport benutzten Atombehältern. Man müsse nicht nur die Grenzwerte beachten, sondern auch das Gebot, Strahlung zu minimieren. Zuvor hatte die Umweltschutzorganisation Greenpeace berichtet, die Neutronenstrahlung in der Umgebung der Behälter sei 40 Prozent höher als die beim Castor-Transport 2005. Die Gefährdung von Begleitpersonal und Demonstranten sei unverantwortlich.

Expertin trotz allem für längere AKW-Laufzeiten

Die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert, forderte, endlich die Voraussetzungen für ein Atommüllendlager in Deutschland zu schaffen. Längere Laufzeiten der Atomkraftwerke seien für eine Übergangszeit nötig, um Zeit für die Umstellung der Energieversorgung in Deutschland zu bekommen.

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