Castor erreicht Gorleben / Polizei trickst Demonstranten aus

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com
Der erste Atommülltransport seit vier Jahren ist heute morgen gegen acht Uhr am Ziel im Zwischenlager Gorleben angekommen. Die Polizei hatte in einer frühmorgendlichen Aktion die übermüdeten Demonstranten ausgetrickst und den Bahnhof Dannenberg über einen unauffälligen Nebenweg verlassen.


Aus vorangegangenen Atommülltransporten galt das letzte Teilstück der Strecke als die schwierigste Etappe des Transportes. Doch heute früh legte der Castor die 20 Kilometer in einer Rekordzeit von 90 Minuten zurück. Durch ein starkes Polizeiaufgebot von mehreren tausend Beamten konnte eine kleinere Blockade von etwa 1000 Atomkraftgegnern bei Laase, wenige Kilometer vom Zielort entfernt, schnell aufgelöst werden.


Doch so friedlich wie auf diesem letzten Stück war es in den letzten vier Tage nicht zugegangen. Immer wieder musste die Polizei gegen gewaltbereite Demonstranten vorgehen. Am gestrigen Abend hatte sich die Situation zugespitzt, die Polizei reagierte teilweise mit Wasserwerfern und Schlagstöcken. Die wohl spektakulärste Aktion der vergangenen Tage, bei der sich vier "Robin Wood"- Aktivisten gestern in die Gleise betoniert hatten, hatte den Castor sogar für etwa 17 Stunden lahm gelegt. Nur durch Spezialgeräte konnten die Demonstranten von der Strecke entfernt werden. Sie wurden wegen Unterkühlung zur Beobachtung in ein Krankenhaus gebracht (die Geschehnisse lesen Sie hier).


Bilanz der vergangenen vier Tage: 25 verletzte Polizisten, davon zwei in ein Krankenhaus eingeliefert, 20 verletzte Atomgegner und 700 festgenommene Demonstranten, von denen etwa 120 mit einem Ermittlungsverfahren rechnen müssen.


Falls das Bundesamt für Stahlenschutz noch einen Transport für dieses Jahr genehmigt, ist der Spuk noch nicht zu Ende. Vermutlich wird sich dann im Herbst ein ähnliches Szenario bieten. Der niedersächsische Innenminister Heiner Bartling erklärte dazu, dass sein Land in diesem Jahr eigentlich nicht mehr in der Lage sei, einen solchen Transport zu organisieren. Doch im Falle einer Genehmigung werde Niedersachsen die Überführung der abgebrannten Brennstäbe "unter welchen Umständen auch immer" gewährleisten.

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