Telko-Konzern

Carlos Slim will KPN komplett übernehmen

An KPN hält er bereits fast ein Drittel der Anteile, jetzt möchte Carlos Slim den niederländischen Telekommunikationskonzern komplett übernehmen. Der Verkauf von E-Plus wird von América Móvil geprüft.

E-Plus© Telefónica Germany GmbH & Co. OHG

Den Haag (AFP/red) - Der geplante Verkauf des Mobilfunkanbieters E-Plus an die o2-Mutter Telefónica ist wieder völlig offen. Der mexikanische Telekommunikationsriese América Móvil des Milliardärs Carlos Slim will die E-Plus-Mutter KPN aus den Niederlanden komplett übernehmen, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. América Móvil erklärte, es prüfe den geplanten Verkauf von E-Plus derzeit. Slim gilt aber als Gegner des Geschäfts.

Reaktion der Börse

América Móvil will den KPN-Aktionären 2,40 Euro pro Anteilsschein zahlen. Das wäre ein Aufschlag von 35,4 Prozent auf den durchschnittlichen Börsenpreis der letzten 30 Tage. Am Donnerstagabend lag die Aktie bei 2,00 Euro. Am Freitagvormittag sprang der Kurs auf 2,33 Euro.

Mit dem Angebot bewertet der mexikanische Telefonriese KPN mit 10,2 Milliarden Euro. América Móvil ist mit knapp 29,8 Prozent größter Aktionär des Unternehmens; der Rest der Aktien befindet sich in Streubesitz.

KPN will Angebot prüfen

Vorstand und Verwaltungsrat von KPN reagierten am Freitag zurückhaltend: Die Unternehmensführung werde das Angebot im Interesse aller Anteilseigner "sorgfältig prüfen" und "alle strategischen Optionen" erwägen, teilte KPN in Den Haag lediglich mit.

Slim hatte sich 2012 bei KPN eingekauft - gegen den Widerstand der Unternehmensführung, die das Angebot damals als deutlich unterbewertet zurückgewiesen hatte. Schon damals hatte KPN einen Verkauf der deutschen Tochter E-Plus erwogen, um den Einstieg von América Móvil abzuwehren, war dann aber nach eigenen Angaben wegen der schwierigen Bedingungen auf dem Finanzmarkt zurückgeschreckt.

Ende Juli dieses Jahres machte KPN dann doch die Ankündigung, E-Plus an Telefónica verkaufen zu wollen, und zwar für fünf Milliarden Euro. Wettbewerbsbehörden und die KPN-Aktionäre müssen dem Geschäft aber noch zustimmen.

Hauptversammlung zum Verkauf von E-Plus

"In den kommenden Wochen" werde KPN eine außerordentliche Hauptversammlung zum Verkauf von E-Plus einberufen, teilte das Unternehmen am Freitag mit. América Móvil erklärte, es werde bis dahin "sorgfältig die Vorteile des vorgeschlagenen Geschäfts" prüfen und dann bei der Hauptversammlung von seinem Stimmrecht Gebrauch machen.

Slim gilt allerdings als Gegner des Verkaufs. Kurz nach der Ankündigung von KPN, E-Plus zu veräußern, kündigte América Móvil einen erst im Februar geschlossenen Vertrag mit KPN, worin sich die Mexikaner verpflichtet hatten, ihren Anteil unter 30 Prozent zu halten. Zudem stimmten sie einer Kapitalerhöhung zu, um die Schulden von KPN abzutragen. Dafür bekam América Móvil zwei Sitze im Verwaltungsrat.

KPN ohne E-Plus wertlos für Slim?

Ohne E-Plus hätte KPN für Amércia Móvil keinen echten Wert mehr. Ziel des mexikanischen Unternehmens ist nach eigenen Angaben, über die Grenzen des amerikanischen Kontinents hinweg zu expandieren. KPN sei die erste Investition außerhalb Amerikas gewesen - die volle Übernahme solle eine bessere Zusammenarbeit zwischen beiden Unternehmen ermöglichen: América Móvil wolle KPN "umfangreicher" bei seinen Plänen in einem "sich rasch ändernden Umfeld in Europa" unterstützen.

Der Telekomriese ist führender Mobilfunkanbieter in Lateinamerika mit 262 Millionen Mobilfunkkunden. In Europa ist das Unternehmen auch in Österreich aktiv, wo es zu 25 Prozent an Telekom Austria beteiligt ist.

KPN entstand aus dem Staatsunternehmen PTT, das 1998 privatisiert wurde. Seit 2006 hat der Staat keine Anteile mehr an der Koninklijke PTT Nederland.

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