Premiere

Bundesweit erstes Erdwärmekraftwerk geht im November in Betrieb

Nach gut einem Jahr Planungszeit erfolgte gestern der erste Spatenstich für die Geothermieanlage in Neustadt-Glewe. Die Anlage, die bereits im November dieses Jahres in Betrieb gehen soll, wird jährlich etwa 1400 Megawattstunden umweltschonenden Strom in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen und damit gut 500 Wohnungen versorgen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Nach knapp einjähriger Planung begann gestern mit einem offiziellen Spatenstich der Bau des ersten deutschen Erdwärmekraftwerks im mecklenburgischen Neustadt-Glewe. Die Anlage wird im November dieses Jahres in Betrieb gehen.

Bauherr und zukünftiger Betreiber des Geothermiekraftwerks ist die Erdwärme-Kraft GbR. An ihr beteiligt sind die zu Vattenfall Europe gehörende Bewag AG mit 51 Prozent sowie die Schweriner WEMAG AG und die Landauer LanGeo GmbH, eine Tochter der EnergieSüdwest AG, mit jeweils 24,5 Prozent. Die drei Gesellschafter investieren in das Projekt insgesamt über 800.000 Euro. Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit fördert das Bauvorhaben mit fast 50 Prozent der Investitionssumme. Mit den Planungen für die Kraftwerksanlage wurde die Geothermie Neubrandenburg GmbH (GTN) beauftragt. Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Geoforschungszentrum (GFZ) Potsdam.

Das Kraftwerk ergänzt das bereits vor Ort betriebene Erdwärmeheizwerk und wird ausschließlich aus regenerativer Erdwärme gespeist. Dafür wird 98 Grad Celsius heißes Wasser aus 2200 Meter Tiefe gepumpt. Das Wasser gibt seine Energie über Wärmetauscher an einen Turbinenkreislauf ab. Da dies für Kraftwerkstechnik zur Stromerzeugung eine relativ niedrige Temperatur ist, wird ein organischer Stoff als Turbinendampf genutzt, der bereits bei etwa 30 Grad Celsius siedet. "Die 300 PS starke Turbine wird jährlich etwa 1400 Megawattstunden umweltschonenden Strom in Kraft-Wärme-Kopplung erzeugen und damit gut 500 Wohnungen in Neustadt-Glewe versorgen können", erläutert Hans-Otto Röth, Vorstand der WEMAG AG.

Für Klaus Pitschke, Vorstandssprecher der Bewag, steht der Bau des ersten Geothermiekraftwerks in Deutschland ganz in der Tradition seines Unternehmens: "Wir betreten mit dem Erdwärmekraftwerk technologisches Neuland. Doch die Bewag hat sich in ihrer nunmehr fast 120-jährigen Geschichte schon des Öfteren als Vorreiter in der Energiebranche erwiesen. Wir sind uns unserer Verantwortung für die Umwelt bewusst und setzen daher verstärkt auf regenerative Energien. Mit dem Geothermiekraftwerk arbeiten wir an den Bausteinen der Energieversorgung von Morgen".

Grundlage für die Nutzung von geothermischer Wärme ist eine wasserführende Gesteinsschicht im Erdinnern. Diese Voraussetzung erfüllt der Standort in Neustadt-Glewe. Die WEMAG AG betreibt hier bereits seit 1994 ein Erdwärmeheizwerk zur Versorgung von etwa 1400 Haushalten und 30 Gewerbekunden mit Fernwärme.

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