BUND und Robin Wood

Bundesrat verwässert Strahlenschutz-Novelle weiter

Die Umweltschutzorganisationen BUND und Robin Wood zeigen sich entsetzt über die heute im Bundesrat verabschiedete Novelle der Strahlenschutzverordnung. "Das sei keine Regelung, die als Strahlenschutz verstanden werden kann."

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und die Umweltschutzorganisation Robin Wood zeigten sich entsetzt über die heute vom Bundesrat verabschiedete Novelle der Strahlenschutzverordnung. Statt einer notwendigen Anpassung an die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Wirkung niedriger Strahlendosen verschlechtere die von der Bundesregierung vorgelegte Novelle in vielen Punkten den Strahlenschutz der Bevölkerung und der beruflich Strahlenbelasteten, begründeten die Aktivisten den Vorwurf. Dem im deutschen Strahlenschutz verankerten Grundsatz der "Strahlen-Minimierung" würde in der jetzt vorliegenden Novelle nicht entsprochen.

Bettina Dannheim, Strahlenschutzexpertin bei Robin Wood: "Bisher gab es für Jugendliche und schwangere Frauen aus guten Gründen ein Aufenthaltsverbot in den durch erhöhtes Strahlenrisiko geprägten Kontrollbereichen. Durch diese Regelung konnte ein zusätzliches gesundheitliches Risiko sowohl für Jugendliche als auch für das ungeborene Leben praktisch ausgeschlossen werden. Es ist daher absolut unverantwortlich, wenn die Novelle diesen Arbeitsbereich nun für Jugendliche und Schwangere öffnet. So ist in allen wissenschaftlichen Kreisen unbestritten, dass Föten wesentlich empfindlicher auf radioaktive Belastungen reagieren als Erwachsene. Die Bundesregierung handelt hier gegen die ausdrückliche Empfehlung der Mehrheit der Mitglieder der Strahlenschutzkommission." Und auch Renate Backhaus, atompolitische Sprecherin des BUND-Bundesvorstandes stimmt ein: "Die in der Novelle vorgesehene Freigaberegelung macht es möglich, den größten Teil des Atommülls, der beim Abriss der Atomkraftwerke in den nächsten Jahrzehnten anfallen wird, auf normalen Deponien, in Baumaterial, Straßenbelag oder beim Metallrecycling unterzubringen. Damit wird eine schleichende und flächendeckende Verseuchung der Bundesrepublik mit radioaktivem Müll in Kauf genommen. Künstliche Radioaktivität mit allen gesundheitlichen Folgen würde alltäglich werden. Das ist keine Regelung, die als Strahlenschutz bezeichnet werden kann."

Deshalb fordern die Umweltschutzorganisationen: "Die neue Strahlenschutzverordnung gehört ins Altpapier. Die Chance für einen echten Strahlenschutz besteht jetzt noch darin, eine vollkommen neue Verordnung zu erarbeiten."

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