Blackout

Bundesnetzagentur wirft Energiekonzernen Panikmache vor

Bundesnetzagentur-Chef Matthias Kurth wirft den Energiekonzernen Panikmache vor, weil sie vor einem Zusammenbruch der Stromnetze gewarnt haben. Die Debatte über einen möglichen Blackout sei "oft oberflächlich und interessengeleitet", so Kurth. Eine Studie der Industrie ergab derweil, dass ein Atomausstieg bis Ende 2017 Strom nur knapp 1 Cent teurer machen würde.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Hamburg (afp/dapd/red) - "Die Angst vor dem Blackout zu nutzen, halte ich für wenig zielführend", sagte Kurth am Wochenende "Spiegel Online". Nach seiner Einschätzung droht in Deutschland kein Stromausfall, auch wenn derzeit allein wegen des Moratoriums der Bundesregierung acht Atommeiler vom Netz sind. "Sowohl technisch als auch rechtlich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, Kraftwerke anzuweisen und zu steuern, um einen Netzausfall zu verhindern", sagte er. "Nach allem, was unsere Erhebungen ergeben haben, sind die Effekte des Moratoriums auf die Netze beherrschbar."

Kurth: Netzstabilität frühzeitig bewerten und erhalten

Bestimmte Belastungssituationen müssten allerdings rechtzeitig analysiert werden, um die Netze stabil zu halten. Als Beispiel nannte Kurth die Situation im Großraum Hamburg. Dort sind die Meiler Krümmel und Brunsbüttel wegen Reparaturen vom Netz, das AKW Unterweser wegen des Atommoratoriums der Bundesregierung. Der Meiler Brokdorf soll vom 11. bis zum 30. Juni in Revision.

"Die Netzstabilität ist dadurch gefährdet", sagte Kurth. "Man könnte versuchen, Revisionen auf die Zeit nach dem Moratorium zu verschieben oder andere Zu- und Abschaltungen von Kraftwerken erwägen. Es ist wichtig, dass wir derartige Situationen schon jetzt bewerten."

Schnellerer Atomausstieg macht Strom kaum teurer

Die Untersuchung im Auftrag des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ergab, dass Strom in den kommenden Jahren deutlich teurer werden dürfte. Ein schneller Atomausstieg bis Ende 2017, wie ihn unter anderem die Grünen angedacht haben, würde dazu aber nur einen kleinen Teil beitragen. Würde ab 2018 kein Atomkraftwerk mehr in Deutschland laufen, kostet eine Kilowattstunde Strom für Privathaushalte 2020 demnach im Schnitt voraussichtlich 27,6 Cent. Dies wäre demnach ein Plus von 18 Prozent im Vergleich zu heute.

Damit wäre eine Kilowattstunde der Studie zufolge aber nur 0,9 Cent teurer, als wenn die Laufzeitverlängerung der schwarz-gelben Koalition beibehalten würde. Denn auch in diesem Fall würde eine Kilowattstunde 2020 laut Studie 26,7 Cent kosten - das sind 14 Prozent mehr als heute.

Für einen durchschnittlichen Haushalt stiege die monatliche Rechnung damit bei einem schnellen Atomausstieg nochmals um 2,63 Euro mehr als ohnehin. Grund für den Anstieg wären demnach deutlich steigende Großhandelspreise für Strom. Dagegen würden die Kosten für die Förderung erneuerbarer Energien sinken, denn diese sind vom Großhandelspreis abhängig. Ein steigender Preis bedeutet dabei sinkende Förderung von Strom etwa aus Sonne oder Wind.

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