Zweiter Teil

Bundeskartellamt untersagt E.ON-Bergemann Zusammenschluss

E.ON hat kein Glück derzeit mit Fusionsvorhaben: Nach dem Verbot der Gelsenberg-Übernahme hat das Bundeskartellamt nun auch die Übernahme der Essener Bergemann GmbH untersagt. Hierbei hätte E.ON ebenfalls eine mittelbare Kontrolle über Ruhrgas erlangt.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Bundeskartellamt hat der Düsseldorfer E.ON AG nach der Übernahme der Gelsenberg AG nun auch die Übernahme der Essener Bergemann GmbH untersagt. Auch damit hätte E.ON eine mittelbare Kontrolle über die Ruhrgas AG erlangt.

"Der Zusammenschluss würde zu einer weiteren Verstärkung marktbeherrschender Stellungen auf den Gas- und Strommärkten führen. Die negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb und die Verbraucher wären in qualitativer und quantitativer Hinsicht noch gravierender als bei dem bereits vom Bundeskartellamt untersagten Erwerb der Gelsenberg AG. So würden z.B. die Beteiligungen der Ruhrgas an dem größten ostdeutschen Ferngasunternehmen VNG (37 Prozent) und an Stadtwerken E.ON zufallen. In einer Region wie Hannover käme der Wettbewerb für Endverbraucher völlig zum Erliegen", erläutert Bundeskartellamtspräsident Ulf Böge die Entscheidung seiner Behörde. Bereits am 17. Januar 2002 hatte er den Erwerb einer Mehrheit an der Gelsenberg AG durch E.ON und damit indirekt den Erwerb einer Minderheitsbeteiligung an der Ruhrgas wegen der Verstärkung marktbeherrschender Stellungen auf den Gas- und Strommärkten untersagt.

Nach Auffassung der Wettbewerbshüter führe die die Verbindung von Ruhrgas und E.ON auf der Ferngasstufe zur Verstärkung der marktbeherrschenden Stellung der Ruhrgas bei der Belieferung von gasweiterverteilenden Unternehmen. Die Ruhrgas könnte ihren Absatz an E.ON-Konzern- und Beteiligungsunternehmen in größerem Maße absichern und Konkurrenten den Zugang zum Markt versperren. Es wäre zu erwarten, dass eine von E.ON kontrollierte Ruhrgas diesen Anteil durch bevorzugte Berücksichtigung beim Neuabschluss von Gasbezugsverträgen wegen gemeinsamer Interessen weiter ausbauen könnte. Die E.ON-Konzernunternehmen im Leitungsgebiet der Ruhrgas (z.B. Avacon, Schleswag, Heingas oder Gelsenwasser) könnten ihre marktbeherrschenden Stellungen bei der Belieferung von letztverbrauchenden Gasgroßkunden und lokalen Gasweiterverteilern (Stadtwerken) verstärken, da sie nach der Fusion nicht mehr mit potentiellem Wettbewerb der Ruhrgas rechnen müssten. Eine weitere Verstärkung träfe insbesondere für die E.ON-Unternehmen ein, die neben der Gasversorgung auch die Stromversorgung betreiben (Avacon, Schleswag), da sie künftig verbesserte Möglichkeiten besäßen, Gas- und Stromlieferungen zu bündeln. Der direkte Zugriff auf Gasimporte und inländische Produktion über die Ruhrgas würde eine deutlich größere Flexibilität bei der Angebotserstellung ermöglichen. Für reine Gasspartenunternehmen, die vergleichbare Synergieeffekte nicht nutzen können, würden dadurch die Marktzutrittsschranken erhöht.

Als Folge des Zusammenschlusses fiele der Anteil der Ruhrgas am Ferngasunternehmen VNG Verbundnetz Gas AG (VNG), Leipzig, in Höhe von knapp 37 Prozent unter die Kontrolle von E.ON. Die heutige E.ON-Beteiligung an VNG von etwa fünf Prozent würden sich auf insgesamt etwa 42 Prozent erhöhen. Auf der Ferngasstufe wäre eine Verstärkung marktbeherrschender Stellungen der VNG bei der Belieferung von Gasweiterverteilern durch Sicherung des Absatzes an E.ON-Konzern- und Beteiligungsunternehmen zu erwarten. Im Strombereich führte das Zusammenschlussvorhaben ebenfalls zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen von E.ON und RWE auf dem Markt für die Belieferung von industriellen/gewerblichen Stromgroßkunden und Stromweiterverteilern.

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