Zu teuer!

Bundeskartellamt mahnt RWE Net AG wegen überhöhter Mess- und Verrechnungspreise bei Stromzählern ab

Der Energiegigant RWE ist jetzt ins Visier der Wettbewerbshüter geraten: Das Bundeskartellamt will die RWE Net AG wegen missbräuchlich überhöhter Preise für netzbezogene Mess- und Verrechnungsleistungen abmahnen. Der von Wettbewerbern nicht beeinflussbare Fixkostenblock Netznutzung betrage im RWE Net-Gebiet mehr als 75 Prozent des Endkundenpreises.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Bundeskartellamt beabsichtigt, dem Stromnetzbetreiber RWE Net AG (Dortmund) zu untersagen, von Stromlieferanten überhöhte Mess- und Verrechnungspreise im Kleinkundenbereich zu fordern. Nach der vorläufigen Einschätzung des Amtes sind die Preise des Stromnetzbetreibers RWE Net für netzbezogene Mess- und Verrechnungsleistungen (Anschaffung, Installation und Wartung der Zähler, kaufmännische Leistungen wie Ablesung, Inkassso) bei Lastprofilkunden (Haushalte, Gewerbe, Landwirtschaft) in Höhe von 36,00 Euro pro Jahr für Eintarifzähler und 72,00 Euro pro Jahr für Zweitarifzähler missbräuchlich überhöht und daher deutlich zu senken.

Vertriebsbezogene Kosten von RWE Plus

Vergleichsmaßstab ist die E.ON-Tochter Thüringer Energie AG, Erfurt (TEAG), die ihre entsprechenden Dienste auf Grundlage der Verbändevereinbarung Strom II plus erheblich niedriger abrechnet. Nach den derzeitigen Erkenntnissen des Bundeskartellamts besteht der Verdacht, dass die geforderten Entgelte nicht nur überhöhte netzbezogene, sondern zudem auch vertriebsbezogene Kosten der RWE Net-Schwestergesellschaft RWE Plus beinhalten.

Böge: Neue Anbieter werden behindert

Kartellamtspräsident Ulf Böge kommentiert: "Falls RWE Net Stromlieferanten überhöhte Mess- und Verrechnungspreise und nicht nur netzbezogene Leistungen aufbürdet, werden insbesondere neue Anbieter erheblich behindert. Denn der von Wettbewerbern nicht beeinflussbare Fixkostenblock Netznutzung (Mess- und Verrechnungspreise sowie weitere Netznutzungsentgeltbestandteile) beträgt im RWE Net-Gebiet bis über 75 Prozent des Endkundenpreises. Davon entfällt mit bis zu 19 Prozent ein gewichtiger Teil des Fixkostenblocks auf Mess- und Verrechnungsentgelte. Muss RWE Net seine Mess- und Verrechnungspreise absenken, so dürfte dies auch Auswirkungen auf die entsprechenden Endkundenentgelte der RWE-Net-Schwester RWE Plus haben." RWE Net hat jetzt bis Anfang Oktober Gelegenheit zur Stellungnahme.

Musterverfahren gegen RWE / Wemag senkt Preise

Die Abmahnung betrifft das Mitte Juli 2002 gegen die in Nordrhein-Westfalen sowie Teilen von Rheinland-Pfalz und Niedersachsen tätige RWE Net eingeleitete Musterverfahren. Es richtet sich nicht unmittelbar gegen die von der Strompreisaufsicht der Länder im Rahmen der Allgemeinen Tarife genehmigten Mess- und Verrechnungspreise der zum RWE Konzern gehörenden RWE Plus AG, Essen. Das zeitgleich eingeleitete Parallelverfahren gegen den zum Vattenfall-Konzern gehörenden Regionalversorger Wemag AG, Schwerin, führt das Bundeskartellamt fort. Wemag hat inzwischen zum 1. Oktober 2002 eine Senkung ihrer Mess- und Verrechnungspreise angekündigt. Sie lägen für Eintarifzähler aber immer noch deutlich über jenen des Vergleichsunternehmens TEAG. teilt das Bundeskartellamt mit.

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