Endlager-Problem

Bundesbehörde sieht keine Chancen mehr für Gorleben

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) sieht nach jüngsten Erkenntnissen um offenbar manipulierte Gutachten kaum Chancen für ein Endlager Gorleben, ohne eine vergleichende Standortsuche.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Osnabrück (ddp/red) - "Das Vertrauen, dass es sich hierbei um ein ergebnisoffenes Verfahren gehandelt hat, ist zerstört. Gorleben hat eine schwere Hypothek", sagte BfS-Präsident Wolfram König der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Donnerstagausgabe). Das BfS ist der Betreiber der Anlage.

König sagte, er glaube, "dass das Problem nur über ein transparentes und faires Standort-Auswahlverfahren zu lösen ist". Es nütze nichts, am Ende einer Untersuchungszeit von 40 bis 50 Jahren zwar einen geologisch geeigneten Standort zu haben, der aber juristisch nicht durchsetzbar sei, weil ein Verwaltungsgericht Verfahrensfehler feststelle. König: "Das wäre ein Fiasko für die Lösung der Endlagerfrage."

Längere Laufzeiten verschärfen Endlager-Problem

Aus seiner Sicht wäre es unverantwortlich, "dass wir diese Abfälle in Länder exportieren, die womöglich ein ökonomisches, aber kein Sicherheitsinteresse an der Übernahme solchen Mülls hätten". Bei der Bundestagswahl stehe auf dem Prüfstand, ob Atomkonsens und Atomausstieg Bestand hätten. Falls Union und FDP wie angekündigt die Laufzeiten von Atomkraftwerken verlängerten, würde das seine "Aufgabe nicht leichter machen. Denn eine Öffnung der Laufzeiten bedeutet, dass der Widerstand gegen ein Endlager größer wird". Gerade die Begrenzung der Laufzeiten und damit auch der Abfallmengen sei Voraussetzung für die Lösung der Endlagerfrage.

Nur wenn es bei einer Begrenzung der Laufzeiten bleibe, müssten "Ende 2021, wenn das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet ist, rund 17500 Tonnen hoch radioaktiver Abfälle entsorgt werden". In Gorleben seien noch rund 15 Jahre für einen entsprechenden Nachweis der Endlager-Eignung notwendig.

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