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Bund schaltet sich in Genehmigungsverfahren für Krümmel ein

Nach dem erneuten Störfall im Atomkraftwerk Krümmel hat sich Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) in das Genehmigungsverfahren eingeschaltet. Der Betreiber Vattenfall kündigte indes eine genaue Untersuchung des Störfalls an.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Berlin, 5. Juli (afp/red) - "Wir sind uns einig, dass ein Wiederanfahren des Reaktors nur nach vorheriger Zustimmung der Bundesaufsicht erfolgen wird", erklärte Gabriel am Sonntag in Berlin. Der Betreiber Vattenfall kündigte eine genaue Untersuchung der Störung an, hatte aber zunächst keine Erklärung dafür.

Das Atomkraftwerk war nach einer zweiten Panne binnen weniger Tage am Samstag erneut vom Netz gegangen. Es kam zu einer Schnellabschaltung des Reaktors, die dazu führte, dass wegen des Spannungseinbruchs im Stromnetz in der Stadt Hamburg auch fast alle Ampelanlagen ausfielen. Ursache für die Störung war laut Vattenfall ein Kurzschluss in einem der beiden Transformatoren. Sie sorgen dafür, dass der vom Akw erzeugte Strom ins Netz gespeist wird.

"Für die Ursache des neuen Kurzschlusses haben wir bisher keine Erklärung", sagte der Geschäftsführer von Vattenfall Europe Nuclear Energy, Michael Züfle, am Sonntag in Hamburg. Erst wenn alle technischen und organisatorischen Fragen eindeutig geklärt seien, werde in enger Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde das Atomkraftwerk wieder in Betrieb genommen. Es gelte: "Sicherheit vor Schnelligkeit". Ein Schaden in einem baugleichen Transformator in Krümmel hatte vor zwei Jahren zu einem Brand des Transformators und ebenfalls zu einer Schnellabschaltung des Akw geführt. Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz forderte eine sofortige und endgültige Stilllegung von Krümmel.

Neben der Einschaltung der Bundesaufsicht kündigte Gabriel auch an, dass nach dem Vorfall in Krümmel nun "anlagenübergreifend die elektrischen Systeme in den Atomreaktoren" überprüft würden. Als Kritik an der schleswig-holsteinischen Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD), in deren Ministerium die Atomaufsicht des Landes angesiedelt ist, wollte Gabriel seine Ankündigung zur Bundesaufsicht nicht verstanden wissen. Deren Vorgehen sei "angemessen und richtig" gewesen. Trauernicht ordnete eine Zuverlässigkeitsprüfung des Betreibers an. Vattenfall habe die Verantwortung für einen sicheren Betrieb des Kernkraftwerks.

Vattenfall entschuldigte sich ausdrücklich für Fehler bei der Information über den Störfall. So war die erste Information über die Reaktorschnellabschaltung nicht durch Vattenfall an die Atomaufsicht in Kiel gegangen, sondern über die Landespolizei und das Innenministerium, das dann die erste Information an das Sozialministeriums weitergab.

Gabriel forderte die Union zu einem Kurswechsel in der Atompolitik auf. Er halte den Einsatz von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) für längere Laufzeiten der alten Atomreaktoren für "unverantwortlich". Die Kanzlerin und Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) müssten "im Interesse der Sicherheit der Bürger" ihren Kurs aufgeben. Grünen-Chefin Claudia Roth warf Merkel und der Union "Schweigen" zur Pannenserie in Krümmel vor.

Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) wies Gabriels Forderung zurück. Dies würde nur zu einer weiteren Erhöhung der Strompreise führen, sagte er dem "Hamburger Abendblatt" (Montagausgabe).

Erst am Mittwoch hatte Vattenfall das Akw Krümmel vom Netz nehmen müssen, nachdem ein Eigenbedarfstransformator ausgefallen war. Krümmel war nach zwei Jahren Stillstand erst Ende Juni wieder in Betrieb genommen worden.

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