Expertengruppe

Bütikofer sieht "neue Argumente" gegen Atomkraft

Im Streit um den Atomausstieg sieht Grünen-Chef Reinhard Bütikofer "eine Reihe von neuen Argumenten" gegen längere AKW-Laufzeiten. Aufgrund der Gefahr vor Terrorangriffen sollten vor allem die älteren Atommeiler Deutschlands schnellstmöglich abgeschaltet werden.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Berlin (ddp-nrd/sm) - Laut Bütikofer habe sich die Sicherheitsfrage geändert, da die Terrorangriffe von 11. September 2001 nach der Vereinbarung zum Atomausstieg erfolgt seien, sagte Grünen-Chef Reinhard Bütikofer am Mittwoch in Berlin bei der Vorstellung des Abschlussberichts einer Expertengruppe der Partei zur Energiepolitik. Seitdem gebe es aber kein wirksames Konzept zum Schutz von Atommeilern vor einem gezielten Absturz eines Verkehrsflugzeuges.

Angesichts der "dramatischen Einsichten" aus den Pannen im Atommülllager Asse stelle sich auch "die Frage des Endlager-Konzeptes dringlicher", fügte Bütikofer hinzu. Vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise sei zudem "mit neuer Dringlichkeit" zu überlegen, ob die milliardenschweren betrieblichen Rückstellungen für die Entsorgung und den AKW-Rückbau nicht in einen öffentlich-rechtlichen Fonds überführt werden sollten.

Der Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, Rainer Baake, der die Expertengruppe leitete, verwies darauf, dass die sieben ältesten Atomkraftwerke über keinen Schutz gegen den Absturz eines Verkehrsflugzeuges verfügen. Der frühere Staatssekretär im Bundesumweltministerium plädierte dafür, diese Meiler so schnell wie möglich vom Netz zu nehmen, um dieses "größte terroristische Risiko" in Deutschland zu beenden. Die Reststrommengen könnten dann auf jüngere Reaktoren übertragen werden.

Ökostrom muss Vorrang haben

In dem Expertenbericht wird zugleich davor gewarnt, Strom weiter vor allem in AKW und großen Kohlekraftwerken zu produzieren. Dieses Modell werde in einen "zunehmend unauflösbaren Widerspruch" zum Ausbau erneuerbarer Energien geraten, weil es deren schwankende Stromproduktion nicht integrieren könne. Wie Baake erläuterte, hat die Einspeisung von Öko-Strom laut Gesetz "Vorrang vor allen anderen". Auf diese "fluktuierende Einspeisung" müsse der Kraftwerkspark reagieren können. Dies sei etwa mit Gaskraftwerken möglich, nicht aber mit Atommeilern, die man nicht einfach "rauf und runter fahren" könne.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Vattenfall

    Vattenfall klagt in Washington gegen den Atomausstieg

    Der von der Bundesregierung beschlossene Atomausstieg ist für mehrere Energieunternehmen ein Grund vor Gericht zu ziehen. Die Klage, die der schwedische Energiekonzern Vattenfall eingereicht hat, wird in den USA verhandelt.

  • Netzausbau

    Energiesektor: Mehr Geld für Atomkraft - Stillstand bei Ökostrom

    Im Energiesektor wurde global betrachtet 2015 wieder deutlich mehr in Atomkraft investiert. Auch für alte Kohlemeiler wurde viel Geld ausgegeben. Bei Öl und Gas war ein Rückgang zu beobachten, während bei den Erneuerbaren der Geldfluss unverändert blieb.

  • Strompreise

    Grünen-Parteitag fordert Klimaschutz mit sozialem Augenmaß

    Angesichts steigender Energiepreise haben die Berliner Grünen auf ihrem Landesparteitag am Samstag Klimaschutz mit sozialem Augenmaß gefordert. Die Leute müssten befähigt werden, Strom einzusparen, so Renate Künast, Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag.

  • Strom sparen

    Gabriel warnt in Atomstreit vor Verletzung des Koalitionsvertrages

    Im Streit um den Atomausstieg werden die Töne in der großen Koalition schärfer. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) warnte am Freitag in Berlin das Bundeswirtschaftsministerium vor einer Verletzung des schwarz-roten Koalitionsvertrages.

  • Stromtarife

    Französische EDF übernimmt Großbritanniens Atomkraftwerke (Upd.)

    Der französische Energiekonzern EDF übernimmt durch den milliardenschweren Kauf von British Energy praktisch alle Atomkraftwerke in Großbritannien. Damit ist EDF nicht nur in Frankreich, sondern auch in Großbritannien Quasi-Monopolist für Atomenergie.

Top