Von Atomkraft bis Biomasse

Bürgerwindpark ist erste Station von Merkels "Energiereise"

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat am Mittwoch mit einem Besuch von Unternehmen der regenerativen Energiewirtschaft in Mecklenburg-Vorpommern ihre mehrtägige "Energiereise" begonnen. An vier Tagen will sie sich über die wichtigsten Arten der Energiegewinnung informieren.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Ravensberg/Berlin (ddp/red) - Auf dem Programm standen beim Auftakt Gespräche mit Betreibern eines Bürgerwindparks im Landkreis Bad Doberan sowie mit dem Windenergieanlagen-Hersteller Nordex in Rostock.

Der Ausbau erneuerbarer Energien ist Schwerpunkt der viertägigen "Energiereise" Merkels bis Ende August durch fünf Bundesländer. Mit Blick auf das für September geplante umfassende Energiekonzept der Koalition will sie sich über die wichtigsten Arten der Energiegewinnung von der Windenergie über Atomkraft bis zur Biomasse informieren.

Der Bürgerwindpark in Ravensberg/Krempin wurde vor zehn Jahren errichtet, zu Jahresbeginn wurde die Zahl der Windenergieanlagen um 3 auf 15 erhöht. Die Investition wurde von 113 Gesellschaftern getragen, von denen zwei Dutzend aus der Gemeinde kommen, wie Edgar Borgwardt, einer der beiden geschäftsführenden Gesellschafter des Windparks, sagte. Jährlich könnten mittlerweile 50 Millionen Kilowattstunden ins Netz eingespeist werden, damit könnten 15.000 Haushalte versorgt werden.

Der Windpark soll zu einem Modellprojekt für die autarke Energieversorgung einer Gemeinde ausgebaut werden, sagte Carlo Schmidt, Chef der Wind-Projekt Ingenieur- und Projektentwicklungsgesellschaft Börgerende, der das Vorhaben begleitet. Zusammen mit Biogas- und Solarenergieanlagen in der Gemeinde Carinerland könnten sich die 1200 Haushalte selbst mit Strom versorgen.

Merkel lobte die Idee des Bürgerwindparks. Das sichere kleinen Kommunen nicht nur Gewerbesteuereinnahmen, sondern bringe den Bürgern auch aus erster Hand den Vorteil neuer Technologien nahe, sagt die Kanzlerin.

Die Grünen sehen die Reise von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) skeptisch. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast sagte am Mittwoch in Berlin, sie habe die Sorge, dass Merkel "schon wieder eine Show betreibt" und vor Windrädern posiere, um am Ende doch nur die Laufzeiten von Atomkraftwerken zu verlängern.

In der kommenden Woche macht Merkel Station in Niedersachsen und Baden-Württemberg.

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