Castor-Transport

Bürgerinitiative: Verursacher des Atommülls sollen zahlen

Die Atomkraftwerk-Betreiber müssen nach Ansicht von Kernkraftgegnern für die Kosten der Atommülltransporte nach Gorleben aufkommen. Scharfe Kritik äußerte die Bürgerinitiative auch an dem bayerischen Umweltminister Markus Söder (CSU) aufgrund seiner Forderung, Gorleben als Endlager freizugeben.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Gorleben (ddp/sm) - Die Bürgerinitiative würde die Verursacher des Atommülls gern zur Kasse beten. Den Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU) solle nicht bei denjenigen Geld eintreiben, die ihr Recht auf Versammlungsfreiheit wahrnähmen, sondern bei den Verursachern des Atommülls, sagte am Mittwoch der Sprecher der Bürgerinitiative Umweltschutz Lüchow-Dannenberg (BI), Wolfgang Ehmke.

Er reagierte damit auf Äußerungen Schünemanns, wonach sich künftig auch Blockierer der Castorstrecke an den Kosten für die Polizeieinsätze beteiligen sollen. Das Land Niedersachsen muss nach bisherigen Schätzungen mehr als 20 Millionen Euro für den diesjährigen Atommülltransport bezahlen.

Die Bürgerinitiative verlangt zudem, dass die Energiewirtschaft die Kosten für die Sanierung der Atommülllager Asse in Niedersachsen sowie Morsleben in Sachsen-Anhalt trägt. "Wir warten darauf, dass sich Landes- und Bundesregierung die 2,2 Milliarden Euro für die Sanierung der Asse und die 2,5 Milliarden Euro für die Stabilisierung des Atommüllendlagers Morsleben von den Verursachern des Mülls zurückholt", sagte Ehmke.

Gorleben nicht als Endlager freigeben

Scharfe Kritik äußerte die Bürgerinitiative am bayerischen Umweltminister Markus Söder (CSU). Er hatte nach dem Atommülltransport verlangt, den Salzstock Gorleben sofort als Atommüll-Endlager freizugeben. "Diese Forderung hat uns an der Amtsfähigkeit des Ministers zweifeln lassen", sagte Ehmke.

Die Einlagerung von Atommüll würde ein atomrechtliches Genehmigungsverfahren und einen Sicherheitsnachweis voraussetzen, erklärte Ehmke. Das Bundesamt für Strahlenschutz hatte kürzlich darauf hingewiesen, dass selbst im Falle einer Festlegung auf Gorleben die Einlagerung von Atommüll frühestens in 15 Jahren beginnen könne.

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