Proteste

Bürgerinitiative fordert Verzicht auf Gorleben als Endlager

Beim Besuch niedersächsischer Landtagsabgeordneter im Gorlebener Erkundungsbergwerk haben Umweltschützer gegen Atomkraft protestiert und den Verzicht auf ein atomares Endlager im Kreis Lüchow-Dannenberg gefordert. Auch SPD und Grüne sprachen sich gegen eine schnelle Festlegung auf den Salzstock als Endlager aus.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Gorleben (ddp-nrd/sm) - Gutachten zeigten, dass es deutliche Parallelen zwischen dem havarierten Atommülllager Asse und dem Salzstock Gorleben gebe, erklärte die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg am Montag. So sei es beim Bau der Schächte in Gorleben in den 1980er und 1990er Jahren ständig zu Wasserzuflüssen gekommen.

In Gorleben dürfe sich "das Verwischen von Fakten und Verdrehen von Erkenntnissen" nicht wiederholen, warnte die BI. "Sonst droht hier nach Morsleben und Asse II ein Asse III." Für das zukünftige Endlager müssten Alternativen zu Salz wie Ton oder Granit geprüft werden. Die Standortentscheidung müsse auf der Grundlage eines Vergleiches fallen. "Wer 102 Milliarden für die Hypo Real Estate aus dem Hut zaubert, wird ja wohl auch magere zwei Prozent dieser Summe für alternative Standorterkundung lockermachen können", sagte der BI-Vorsitzende Gerhard Harder.

Der niedersächsische Grünen-Fraktionschef Stefan Wenzel sagte, in der Endlagerdiskussion gehe es nun um die Frage, "was die Verantwortlichen aus der Asse gelernt haben". Bei der nuklearen Entsorgung gebe es "eine Zeitrechnung vor und nach dem Desaster in der Asse". Nach so gravierenden Fehleinschätzungen dürfe nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden.

Vertreter der SPD verwiesen auf einen Antrag ihrer Fraktion im Landtag, in dem ein Neustart für die Suche nach einem Endlager gefordert werde. Bei der Endlagerung habe die Sicherheit Vorrang vor allen anderen Aspekten. Eine Standortentscheidung müsse deshalb auf der Grundlage eines Vergleiches mehrerer Alternativen fallen, dieser Vergleich müsse nach internationalem Maßstab erfolgen. Wichtige Kriterien seien auch Transparenz des Entscheidungsprozesses und eine Akzeptanz in der Bevölkerung.

Der Salzstock Gorleben wird seit mehr als 30 Jahren auf seine Eignung als Endlager für hoch radioaktiven Atommüll untersucht. Im Jahr 2000 wurden die Arbeiten unterbrochen. CDU, FDP und die Energiewirtschaft drängen auf ein Ende des Moratoriums. Unter Wissenschaftlern ist umstritten, ob sich Gorleben als Endlager eignet.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Atomenergie Gefahr

    Stresstest: Nicht genug Atom-Rückstellungen für den "Worst Case"

    Der Stresstest zu den Rückstellungen der Atomkonzerne sorgt für Unstimmigkeiten in der Politik. Während Sigmar Gabriel die Ergebnisse dahin gehend interpretiert, dass die Gelder der Konzerne ausreichen werden, warnt die Opposition davor, sich auf den Ergebnissen auszuruhen. Der Test zeigt auch, dass die Rückstellungen bei ungünstigen Umständen bei weitem nicht ausreichen würden.

  • Atomenergie

    Altmaier plädiert für küstennahes Atom-Zwischenlager

    Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat angekündigt, bis zur parlamentarischen Verabschiedung des Endlagersuchgesetzes vor der Sommerpause auch die umstrittene Zwischenlager-Frage zu klären. Um die Transportwege so kurz wie möglich zu halten, strebt der Minister einen Standort nahe der Küste an.

  • Hochspannungsleitung

    Atomkraftgegner planen Treck nach Berlin

    Mit einer Demonstration in Berlin will die bundesweite Anti-Atom-Bewegung drei Wochen vor der Bundestagswahl ihrer Forderung nach Abschaltung aller Kernkraftwerke Nachdruck verleihen. Für 5. September sei eine große Kundgebung am Brandenburger Tor geplant.

  • Energieversorung

    Atommülllager Asse wird nach Atomgesetz geschlossen

    Mit einer Änderung des Atomgesetzes hat der Bundestag den Weg zur Stilllegung des Atommülllagers Asse nach Atom- statt Bergrecht freigemacht. Dafür ist nunmehr der Bund verantwortlich, hat die Kosten zu tragen und muss ein Planfeststellungsverfahren abhalten, beschloss das Parlament am Freitag mit den Stimmen von Union, SPD und FDP.

  • Strom sparen

    Bürgerinitiativen fordern Aufklärung über Atommüll in der Asse

    Nach den neuerlichen Schäden im Atommülllager Asse begehren Umweltschützer einmal mehr Auskunft über das radioaktive Inventar des Bergwerks. "Es muss endlich geklärt werden, was da wirklich drin ist", sagte Michael Fuder vom Asse-II-Koordinationskreis am Dienstag in Hannover. Gleichzeitig gab es Kritik an der Novelle zum Atomgesetz.

Top