Hintergrund

Bündnis 90/Die Grünen: KWK - Energieeffizienz und Klimaschutz

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen zeigt sich begeistert von ihren Vorstößen und Erfolgen beim Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung. Ein aktueller Hintergrundbericht gibt Auskunft über den Stand der Dinge.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Zum Thema "Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung" hat die Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen einen aktuellen Standpunkt veröffentlicht:

Die Weichen für den Ausbau der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) sind gestellt. Ein grüner Erfolg für den Klimaschutz. Bis 2010 sollen 23 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Emissionen eingespart werden. Die Förderung von KWK ist ein grüner Erfolg für eine zukunftsfähige Energieversorgung. Denn KWK-Anlagen erzeugen sehr effizient Strom und Wärme, und schonen so unsere natürlichen Ressourcen. Ohne uns hätte es diese Regelung nicht gegeben. Besonders die Förderung kleiner innovativer Anlagen und der Brennstoffzellen wäre ohne grünen Einsatz im Diskussionsprozess nicht denkbar gewesen. Mit unserer Politik der Energiewende fördern wir Innovation auf den Energiemärkten und Investitionen in die Zukunft. Das eröffnet auch große Exportmärkte und schafft neue Arbeitsplätze.

Mehr Leistung bei weniger Brennstoffeinsatz

Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) gehört derzeit zu den effizientesten Formen der Energieerzeugung. Hier werden Strom und Heizwärme in einem Prozess gleichzeitig gewonnen. Zwar wird auch bei der konventionellen Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen immer auch Wärme freigesetzt. Sie verpufft aber meist ungenutzt in die Umgebung. KWK-Anlagen nutzen dagegen diese Wärme, um Heizungswärme für Haushalte oder Prozesswärme für industrielle Anwendungen auszukoppeln. Dadurch wird aus der gleichen Brennstoffmenge wie bei einem konventionellen Kraftwerk viel mehr nutzbare Energie gewonnen. Konventionelle Kraftwerke, die größtenteils auf Basis der endlichen Ressourcen Kohle, Heizöl und Erdgas arbeiten, erreichen im Schnitt einen Wirkungsgrad von 38 Prozent. Das heißt: Kaum mehr als ein Drittel der eingesetzten Energie wird in nutzbare Energie umgewandelt. KWK-Anlagen kommen dagegen auf Wirkungsgrade von über 80 Prozent.

KWK ist Klimaschutz

Kraft-Wärme-Kopplung ist - abgesehen von Erneuerbaren Energien - die klimafreundlichste Art der Energieerzeugung. Denn KWK-Anlagen brauchen weniger fossilen Brennstoff. Sie stoßen also auch viel weniger Kohlendioxid aus als konventionelle Kraftwerke. Wir müssen die Emissionen von Kohlendioxid in Deutschland drastisch senken, um den drohenden Treibhauseffekt zu bekämpfen. Dazu brauchen wir auch die hocheffiziente Energieerzeugung aus fossilen Energiequellen wie Gas und Kohle. Zurzeit erfolgt etwa zehn Prozent der deutschen Stromerzeugung nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. In anderen Ländern - wie zum Beispiel Dänemark – liegt der KWK-Anteil bei bis zu 40 Prozent. In der Bundesrepublik gibt es also noch ein großes Potenzial, dass ausgebaut werden kann. Bis zum Jahr 2010 können so 23 Millionen Tonnen Kohlendioxid durch KWK einspart werden. Die Förderung von KWK ist nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch eine gute Anlage für die Zukunft. Die Investitionen für kleine Blockheizkraftwerke sowie die für die Einführung der Zukunftstechnologie Brennstoffzelle schaffen auch neue Arbeitsplätze, vor allem in kleinen und mittleren Unternehmen.

KWK im liberalisierten Strommarkt

In Deutschland besteht derzeit eine erhebliche Überkapazität an Strom. Ursache hierfür die Fehlplanung der vergangenen Jahrzehnte, insbesondere den massiven Ausbau der Atomenergie aufgrund falscher Energie-Verbrauchsprognosen. Dadurch sind die Strompreise heute sehr niedrig. Die großen Energieerzeuger mit ihrem Finanzpolster aus Monopolzeiten können diesen ruinösen Wettbewerb länger durchhalten als die kleinen Unternehmen. Es droht, dass Kleine vom Markt verdrängt oder aufgekauft werden. KWK-Anlagen mit ihren etwas höheren Stromerzeugungskosten könnten dem Dumping-Wettbewerb als erste zum Opfer fallen. Sobald – wie von der EU-Kommission europaweit einheitlich angestrebt – im liberalisierten Energiemarkt fairer Wettbewerb herrscht, werden jedoch auch KWK-Anlagen wieder konkurrenzfähig sein. Darauf können wir aber nicht warten, da sonst die bestehenden KWK-Anlagen vom Netz gehen und auch kein Kohlendioxid mehr einsparen würden – eine Katastrophe für den Klimaschutz. Deswegen haben wir für eine Förderung der KWK-Anlagen gekämpft.

Bonusmodell ab 2002

Nach einer langen Diskussion sind nun die Weichen für einen KWK-Ausbau gestellt. Anfang nächsten Jahres wird ein KWK-Bonusmodell in Kraft treten. Der Schwerpunkt liegt auf der Modernisierung von KWK-Anlagen, ältere Bestandsanlagen bekommen nur für eine begrenzte Zeit einen Bonus. Es wird nur der echte KWK-Strom gefördert, reine Stromerzeugung aus KWK-Anlagen ohne Wärmeauskopplung dagegen nicht. Dadurch ist das neue Bonusgesetz wesentlich umweltfreundlicher als das alte KWK-Gesetz. Damit besteht ein hoher Anreiz zur Modernisierung des Anlagenparks. Auch der Zubau von kleinen KWK-Anlagen unter zwei Megawatt sowie die Brennstoffzelle werden finanziell überproportional unterstützt. Durch das KWK-Bonusmodell werden wir 14 Millionen Tonnen Kohlendioxid bis 2010 einsparen können. Die Industrie hat sich verpflichtet, weitere neun Millionen Tonnen durch den Neubau von KWK-Anlagen zu erbringen. Sollte sich im Jahre 2005 abzeichnen, dass dieses Ziel von insgesamt 23 Millionen Tonnen Kohlendioxid verfehlt wird, werden weitere Maßnahmen zum KWK-Ausbau in Kraft treten.

Strom wird nicht teurer

Nach dem vorgesehenen Modell sollen KWK-Anlagen für den ins öffentliche Netz eingespeisten Strom einen Bonus von drei Pfennig pro Kilowattstunde (kWh) bekommen. Kleine Anlagen bis zwei Megawatt werden einen Bonus von fünf Pfennig pro Kilowattstunde und Brennstoffzellen einen Bonus zehn Pfennig pro Kilowattstunde bekommen. Die Bonusdauer richtet sich nach dem Alter der Anlage. Die längste Förderdauer erhalten modernisierte KWK-Anlagen. Der Strom für den Haushaltskunden wird durch den Bonus nicht teurer. Das KWK-Bonusgesetz belastet zwar alle Stromverbraucher im Schnitt mit 0,2 Pfennig pro Kilowattstunde. Das zurzeit laufende KWK-Gesetz wird aber durch die neue Regelung abgelöst. Dadurch entfallen Kosten von etwa 0,3 Pfennig pro Kilowattstunde, so dass sich unter dem Strich keine Verteuerung ergibt.

Technologien der Zukunft

Besonders erfreulich ist, dass auch der Zubau von kleinen innovativen KWK-Anlagen sowie die Brennstoffzelle gefördert wird. Denn die Energieerzeugung der Zukunft wird dezentral sein. Energie wird mehr und mehr umweltfreundlich vor Ort in kleinen Kraftwerken erzeugt werden, und eines Tages zu einem Verbund zusammen geschlossen werden können ("virtuelle Kraftwerke"). Damit hilft die Bonusregelung auch den kleinen und mittelständischen Anlagenbauern. Für eine dezentrale Energieversorgung ist die Brennstoffzelle ideal. Sie funktioniert auch nach dem Prinzip KWK, allerdings nicht auf der Grundlage von fossilen Brennstoffen, sondern von Wasserstoff. Damit ist die Brennstoffzelle eine Zukunftstechnologie. Gelingt es, ihre Markteinführung in Deutschland durch das KWK-Bonusgesetz um einige Jahre vorzuziehen, haben wir neben den erneuerbaren Technologien einen weiteren Innovationsmarkt mit großen Exportchancen.

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