Zustandsbericht 2004

Brüssel mit Wettbewerb auf Energiemarkt unzufrieden

Zu wenige Lieferantenwechsel, geringe Präsenz von ausländischen Anbietern - die EU-Kommission ist mit dem Stand des Wettbewerbs auf den Strom- und Gasmärkten in der Europäischen Gemeinschaft äußerst unzufrieden. Im gestern vorgelegten vierten Benchmarketing-Report kommen nur Großbritannien und Irland gut weg.

Stromnetz Ausbau© Thomas Aumann / Fotolia.com

Brüssel (ddp/sm) - Der europäische Energiemarkt ist trotz aller Liberalisierungsschritte noch weit von einem effektiven Wettbewerb entfernt und weist immer stärkere Monopolstrukturen auf. Dieses Fazit zieht die EU-Kommission in ihrem Zustandsbericht 2004 für die nationalen Strom- und Gasmärkte, der gestern bekannt wurde.

Besonders in Deutschland und Österreich seien die Fortschritte "noch sehr enttäuschend". Dagegen wird Großbritannien und Irland eine "ausgereifte Wettbewerbsstruktur" bescheinigt. Gegen die weitere Konzentration auf den nationalen Märkten will die Kommission nun verstärkt vorgehen.

Die EU-Kommission richtet an alle Mitgliedstaaten den Appell, die Vorgaben zur Öffnung der Strom- und Gasmärkte korrekt umzusetzen und anzuwenden. So hätten es 18 Länder, darunter auch Deutschland, versäumt, bis zum Juli 2004 die neue Elektrizitäts- und Erdgasrichtlinie fristgerecht umzusetzen. Gegen diese Länder leitete die EU-Kommission daher Ende vergangenen Jahres ein Vertragsverletzungsverfahren ein.

In den EU-Staaten hätten bislang weniger als 50 Prozent der Energiekunden ihren Versorger gewechselt, heißt es in dem Bericht. In vielen Fällen sei nur der Wechsel zu einem anderen nationalen Versorger, nicht aber zu einem ausländischen Anbieter möglich gewesen. Ausländische Versorger hätten in den meisten EU-Mitgliedstaaten einen Marktanteil von weniger als 20 Prozent. Das Ziel, einen integrierten EU-Binnenmarkt zu schaffen, sei bislang gescheitert.

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