Übernahmegespräche

Briten kritisieren Marktvorteile/Scottish Power lehnt E.ON-Vorschlag ab

Vor dem Hintergrund der möglichen Übernahme von Scottish Power durch E.ON. beklagt der britische Energie-Staatssekretär Malcolm Wicks im "Handelsblatt" einen unfairen Wettbewerb. Inzwischen wurde jedoch bekannt, dass E.ON den britischen Versorger nicht übernehmen wird.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

London (ddp/sm) - Während die größten deutschen Branchenkonzerne E.ON und RWE eine starke Rolle auf dem britischen Markt spielten, hätten britische Unternehmen in Deutschland kaum eine Chance Kunden zu gewinnen, so Wicks heute im "Handelsblatt". Der wachsende Einfluss der ausländischen Konzerne sei bisher kein Problem für die Briten gewesen, doch eine Übernahme des Versorgers Scottish Power durch E.ON könnte das ändern.

Auch Phil Bentley, Finanzchef des britischen Marktführers Centrica, kritisierte, dass Monopolgewinne in Deutschland den Wettbewerb in England verzerrten. "Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass E.ON und RWE auf ihren Heimatmärkten ein Vielfaches von dem verdienen, was die gesamte britische Strom- und Gasversorgung an Gewinn abwirft", sagte er dem "Handelsblatt". Zugleich kündigte er an, dass Centrica kein Gegenangebot für Scottish Power abgeben werde.

Der Energiekonzern E.ON teilte inzwischen allerdings mit, Scottish Power nun doch nicht zu übernehmen. Das schottische Unternehmen habe E.ON darüber unterrichtet, den Vorschlag nicht weiter zu verfolgen. E.ON-Vorstandschef Wulf Bernotat bedauerte den Schritt. Für den Zusammenschluss spreche "eine überzeugende industrielle Logik". Für die Kunden und Aktionäre beider Unternehmen wäre ein solcher Zusammenschluss gleichermaßen vorteilhaft. An der Frankfurter Börse kletterten E.ON-Aktien in einem weitgehend unveränderten Marktumfeld bis gegen 10 Uhr um 1,9 Prozent auf 80 Euro.

E.ON hatte Scottish Power nach eigenen Angaben einen Barerwerb zu einem Preis von 5,70 britischen Pfund (rund 8,30 Euro) je Aktie vorgeschlagen - abzüglich Sonderausschüttungen, insbesondere der von Scottish Power beabsichtigten Ausschüttung aus dem Verkauf der US-Tochter PacifiCorp. Zusätzlich hätten die Aktionäre von Scottish Power bis zum Vollzug der Transaktion übliche Dividendenzahlungen im Einklang mit der bestehenden Dividendenpolitik von Scottish Power erhalten.

Der Board von Scottish Power bewertete das Übernahmeangebot indes als zu niedrig. Der Stromkonzern mit Sitz in Glasgow begründete das Scheitern der Verhandlungen damit, dass die angebotene Summe den eigenen Aktionären bei einem Abschluss frühestens im Frühjahr 2007 zugeflossen wäre. Die Unternehmensleitung gehe davon aus, dass die Strategie des Wachstums im Stromgeschäft mit Großkunden und Endverbrauchern langfristig den Aktionären mehr Wert bringe als der Vorschlag von E.ON.

Nach Einschätzung von Analystin Karin Brinkmann von der HypoVereinsbank war das Gebot nicht zu hoch, wie es viele E.ON-Aktionäre befürchtet hatten. Alles unter sechs Pfund je Aktie wäre in Ordnung gewesen. Dennoch sei der Markt anscheinend erleichtert, dass E.ON das Unternehmen nicht zu jedem Preis kaufe.

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