Gegen Monopolbildung

Bremer Genossenschaft will Stadtwerken Konkurrenz machen

Ab April will die Bremer Energiehaus Genossenschaft (BEnergie) den Gasversorgern in Bremen und Niedersachsen Konkurrenz machen. Angestrebt sei ein Preisvorteil von 50 Euro pro Haushalt, sagt Vorstandssprecher Jürgen Franke. Möglich werde dies durch die Zusammenarbeit mit einem niederländischen Lieferanten.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Bremen (ddp-nrd/sm) - Über 600 Mitglieder habe BEnergie seit März gewonnen, so Franke. In Hannover gebe es mehr als 800 Interessensbekundungen. Auch in Oldenburg, Bremerhaven und Lilienthal will das Unternehmen aktiv werden. In Delmenhorst wurde bereits eine eigene Genossenschaft gegründet. In Celle ist eine solche geplant. Sie soll den Strom von BEnergie beziehen.

Immer mehr Menschen wollten die "unverschämten Preiserhöhungen" der Monopolisten der vergangenen Jahre nicht mehr einfach hinnehmen, sagt Franke. BEnergie ist bundesweit die erste eingetragene Genossenschaft, die künftig günstiges Gas selbst einkaufen und vertreiben wird. "Wir haben einen Lieferanten in den Niederlanden gefunden", sagt Frankes Vorstandskollege Wolfram Kaiser, der früher elf Jahre bei den Bremer Stadtwerken beschäftigt war.

Nur in wenigen Städten wie Hamburg und Berlin bieten bislang profitorientierte Konzerne alternativ Gas an. BEnergie will dagegen Überschüsse an die Mitglieder rückvergüten. Zudem schaffe die Genossenschaft automatisch die gewünschte Transparenz. Denn genau daran hapere es bei der swb. "Ich habe die Stadtwerke schon mehrmals aufgefordert, über ihre Preiserhöhungen Rechenschaft abzulegen", sagt Franke gegenüber der Nachrichtenagentur ddp. Diese weigerten sich jedoch beharrlich.

Seit 1. Oktober können sich Haushalte wie bereits beim Strom zumindest theoretisch aussuchen, wer sie mit Gas beliefert. Deshalb wollte die BEnergie auch schon zum Herbst Gas liefern. Doch die Bundesnetzagentur legte nicht rechtzeitig fest, was die swb für die Nutzung der Leitungen in Rechnung stellen darf. Nun gibt es Preise. Sie sind nach Meinung von Franke und Kaiser aber immer noch zu hoch. "Darüber müssen wir noch mal mit der Regulierungsbehörde sprechen", sagt Kaiser.

Deshalb fällt der Gaspreis, den BEnergie zurzeit anbieten könnte, noch nicht so niedrig aus wie erhofft. "Momentan wären es 0,09 Cent pro Kilowattstunde weniger als bei der swb", sagt Franke. Das wäre eine Preisersparnis von rund 25 Euro im Jahr für einen durchschnittlichen Haushalt. Ab 1. April soll aber ein Vorteil von 50 Euro pro Haushalt erreicht werden. "Beim Anbieter ist noch Luft drin", begründet Franke. Zudem könnten die Kosten weiter gesenkt werden, je mehr Mitglieder die Genossenschaft hat. "3500 Mitglieder wären gut", sagt Franke, der ebenso wie seine beiden Vorstandskollegen bislang ehrenamtlich arbeitet.

Doch es gibt auch Skeptiker. "Manche sagen, für 50 Euro lohnt sich doch der Aufwand nicht", sagt Kaiser, "obwohl die Genossenschaft den Schreibkram für den Kunden übernimmt." Aber schließlich gehe es auch ums Prinzip, die "Abzocke" der Monopolisten nicht mitzumachen. Auf einer Versammlung in Lüneburg habe ein erboster Kunde des örtlichen Gaslieferanten betont: "Man muss eben bewusst entscheiden, wem man sein Geld gibt."

Wer von der Bremer Energiehaus-Genossenschaft eG ab April Gas beziehen will, muss zunächst Mitglied werden. Dazu müssen 100 Euro investiert werden. Davon werden 20 Euro als "Eintrittsgeld" verwendet, die restlichen 80 Euro sind der Genossenschaftsanteil. Sollte die BEnergie doch kein Gas liefern können, ist nach Angaben von BEnergie der Verlust der 100 Euro das maximale Risiko der Kunden.

BEnergie ist laut Satzung nicht auf die Erzielung hoher Gewinne ausgerichtet. Vielmehr ist sie ein wirtschaftliches Unternehmen zum Nutzen seiner Mitglieder. Deshalb werden Geschäftsguthaben nicht verzinst, Dividenden werden nicht gezahlt. Überschüsse, die nicht zur Aufrechterhaltung der Genossenschaft reinvestiert oder zurückgestellt werden, werden den Mitgliedern rückvergütet. Die Genossenschaft ist überparteilich.

Die swb sieht der künftigen Konkurrenz unterdessen gelassen entgegen. "Wir werden beobachten, wie sich das entwickelt", sagt eine Sprecherin des Energieversorgers. Aber Wettbewerb sei schließlich ganz normal.

Von ddp-Korrespondentin Janet Binder

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