Sicherheitsbedenken

Brandenburger wehren sich gegen geplante CO2-Speicher

In den Ortschaften rund um Beeskow im Kreis Oder-Spree formiert sich Widerstand. Zahlreiche Anwohner wehren sich gegen die geplante unterirdische Speicherung von Kohlendioxid. Auch in Neutrebbin im benachbarten Kreis Märkisch-Oderland sind Anwohner in Aufruhr. Dort soll eine zweite Speicherstätte entstehen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Beeskow (ddp-lbg/red) - Der Energiekonzern Vattenfall will die Gebiete zunächst erkunden und damit die sogenannte CCS-Technologie (Carbon Capture and Storage) zur Abscheidung und Speicherung von CO2 voranbringen. Das Unternehmen betreibt im Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe bei Spremberg bereits ein Pilotkraftwerk zur Abscheidung von Kohlendioxid. Jetzt sucht das Unternehmen nach geeigneten unterirdischen Lagerstätten zur Speicherung des klimaschädlichen Gases.

Die beiden vorerst für die Erkundung ausgewählten Gebiete im Osten Brandenburgs sind aufgrund ihrer Geologie interessant. Vattenfall-Projektleiter Thomas Lautsch betont am Donnerstag bei einem Gespräch zwischen Landwirten und Brandenburgs Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) in Beeskow: "In der Region gibt es salzwasserführende Gesteinsschichten, die besonders zur Speicherung von Gas geeignet sein könnten." Einerseits wirke der Sandstein in 1200 bis 1600 Meter Tiefe wie ein Schwamm und binde das CO2. Andererseits bildeten darüber liegende Schichten aus Ton und Salz eine undurchlässige Glocke. So könne das unter die Erde gepumpte CO2 nicht wieder austreten, sagt der Bergingenieur.

Anwohner befürchten Sicherheitsrisiken

Die Bauern jedoch mögen nicht so recht daran glauben. Henrik Wendorff, Vorsitzender des Bauernverbandes in Märkisch-Oderland, sagt: "Wir sehen große Sicherheitsrisiken." Es könne niemand garantieren, dass nicht doch Kohlendioxid an die Oberfläche ströme. Schließlich herrsche unter der Erde ein sehr großer Druck. Zudem könne CO2 schon beim Transport vom Kraftwerk zu den Lagerstätten austreten. Es müssten riesige Pipelines gebaut werden.

Sorge bereitet den Bauern auch die Zusammensetzung des Gasgemisches, das unter der Erde verpresst wird. Niemand habe bislang sagen können, ob und welche giftigen Stoffe in dem Gemisch enthalten sein werden. Ferner sind Landwirte und Anwohner überzeugt, dass mit unterirdischen Kohlendioxid-Lagern der Wert ihrer Grundstücke sinken wird. Der Vorsitzende des Bauernbundes in Märkisch-Oderland, Manfred Wercham, spricht gar von Enteignung. Und neue Häuser bauen wolle dort niemand mehr.

Junghans: Keine Gefahr durch CCS-Speicherung

Junghanns weist solche Bedenken vehement zurück und nennt das Beispiel Rüdersdorf. Dort gebe es einen unterirdischen Erdgasspeicher. Der Ort - ebenfalls in Märkisch-Oderland gelegen - entwickele sich trotzdem prächtig. Der Wirtschafts- und damit auch Energieminister wirbt zudem mit Nachdruck für die CCS-Technologie.

Deutschland sei noch auf Jahre auf die Braunkohle angewiesen, ansonsten wären teure Importe nötig. Junghanns betont: "Bei aller Liebe zu erneuerbaren Energien: Ohne Kohle kommen wir die nächsten Jahrzehnte noch nicht aus." Die Kohleverstromung müsse aber sauberer werden. Deshalb werde die CCS-Technologie entwickelt. Der Minister fügt hinzu, dabei müsse die Sicherheit an vorderster Stelle stehen. Er nehme die Sorgen der Anwohner sehr ernst. Seiner Ansicht nach sei die Technologie jedoch "beherrschbar".

Auch Bergingenieur Lautsch versucht zu beruhigen: "Bei der Speicherung wird es ein umfangreiches Monitoring und ein Frühwarnsystem geben." Außerdem verweist Lautsch auf Erfahrungen mit der Speicherung von Gasen: Es gebe deutschlandweit schon mehr als 40 Erdgasspeicher, und die seien sicher.

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