CO2-Speicherung

Brandenburg: Gemeinden verärgert über Vattenfall-Pläne

Vattenfalls Pläne zur Erkundung unterirdischer CO2-Speicher bei Neutrebbin und Beeskow haben in beiden Kommunen Erstaunen und Verärgerung ausgelöst. "Das hat mich überrascht", sagte der für Neutrebbin zuständige Amtsdirektor von Barnim-Oderbruch, Karsten Birkholz. Er sei vorher von Vattenfall nicht informiert worden.

Stromtarife© Gina Sanders / Fotolia.com

Wriezen/Beeskow (ddp-lbg/red) - Auch Beeskows Bürgermeister Fritz Taschenberger (SPD) sprach von einem "Paukenschlag, mit dem wir nicht gerechnet haben". Wirtschaftsminister Ulrich Junghanns (CDU) kündigte Informationsgespräche in den betroffenen Regionen an.

Er habe in der letzten Woche in einem internen Gespräch mit Vertretern von Vattenfall erstmals von den Plänen gehört, sagte Taschenberger. "Das ist vom Verfahren her bedenklich, und ich bin ein wenig verärgert." Von den Plänen sei er "überhaupt nicht begeistert". Zunächst solle in der kommenden Woche in einem internen Gespräch mit den Stadtverordneten das weitere Vorgehen abgestimmt werden.

"Wir werden schauen, ob wir eine einheitliche Position der Stadt finden können", sagte der Bürgermeister. Wenn die Pläne umgesetzt werden, müsse vor allem die Sicherheit gewährleistet sein. Dazu müsse es klare Verfahren und Aussagen geben, da würden die Versicherungen von Vattenfall allein keinesfalls ausreichen.

Gemeinden bei CO2-Speicherplänen einbeziehen

Amtsdirektor Birkholz sagte, er habe erst am Donnerstagmittag vom Beeskower Bürgermeister von den Plänen erfahren. "Ich werde mich zunächst mit den Vertretern der betroffenen Gemeinden zusammensetzen, und wir werden eine Position suchen, wie wir jetzt vorgehen wollen", kündigte er an. Die Einrichtung eines CO2-Speichers habe ja langfristige Konsequenzen. Dazu sei es wichtig, die Gemeindevertreter einzubeziehen, um einen gemeinsamen Standpunkt zu entwickeln und "wohlüberlegt" vorzugehen.

"Ich werde vor Ostern direkte Informationsgespräche mit den Amtsträgern in Oder-Spree und in Märkisch-Oderland führen", sagte Junghanns. Zugleich sicherte er zu, dass die Erkundungsverfahren "streng nach Recht und Gesetz" erfolgen. Beispielhaft seien dabei die Erfahrungen mit dem Forschungsprojekt in Ketzin, wo unter wissenschaftlicher Begleitung bereits CO2 gespeichert werde. Die gleichen wissenschaftlichen und Sicherheitsstandards werde das Landesamt für Bergbau, Geologie und Rohstoffe bei den Genehmigungsverfahren in Ostbrandenburg anlegen.

Erkundungen für CO2-Speicherung angekündigt

Vattenfall hatte am Donnerstag bekanntgegeben, unterirdische Gesteinsformationen bei Beeskow und Neutrebbin auf ihre Eignung zur dauerhaften Speicherung von CO2 zu erkunden. Die Erkundungsanträge für das Vorhaben seien beim Landesamt für Bergbau und Geologie in Cottbus bereits eingereicht worden. In beiden Fällen handle es sich um Salzwasser führende Gesteinsschichten, die bis zu 1600 Meter unter der Erdoberfläche liegen. Dorthin soll Plänen zufolge das abgeschiedene CO2 aus dem Demonstrations-Kraftwerk Jänschwalde, das bis 2015 entstehen soll, über Pipelines transportiert werden.

Ein Vattenfall-Sprecher sagte, dass die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden am Donnerstag in Schreiben über die Pläne informiert worden sein. Zudem seien Informationsflyer an rund 15.000 Haushalte verteilt worden. Vattenfall wolle die örtliche Bevölkerung auch weiterhin über das Vorgehen informieren.

Das könnte Sie auch interessieren
  • Kohlebergbau

    Kohlekraftwerke erhalten doch eine Abwrackprämie

    Obwohl Wirtschaftsminister Gabriel einst sogar die Strafabgabe für alte Kohlekraftwerke in Erwägung gezogen hatte, ist er von diesem Kurs wieder komplett abgekommen. Die Betreiber der Kohlemeiler werden sieben Jahre lang von den Stromkunden mit Milliarden Euro beim Kohleausstieg unterstützt.

  • Braunkohlekraftwerk

    Kohlekraftwerke angeblich für viele Todesfälle verantwortlich

    Deutsche Kohlekraftwerke sind laut einer Studie im Auftrag der Umweltschutzorganisation Greenpeace statistisch für mehr als 3000 vorzeitige gesundheitsbedingte Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Schuld seien Feinstaubpartikel und giftige Abgase aus deren Schornsteinen. Doch diese Daten würden falsch gewichtet, sagten die Betreiber.

  • Energieversorung

    Platzeck fordert Rechtssicherheit für CO2-Speicherung

    Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) hat vor Verzögerungen bei der Umsetzung der EU-Richtlinie für die unterirdische CO2-Speicherung in nationales Recht gewarnt. Jedes Abwarten sei ein Rückschlag für den Klimaschutz, sagte er im Hinblick auf die für Mittwoch geplante Behandlung des entsprechenden Gesetzesentwurfes im Bundeskabinett.

  • Strom sparen

    Vattenfall plant Erkundung geologischer Formationen zur CO2-Speicherung

    Vattenfall plant die Erkundung unterirdischer Gesteinsformationen in Ostbrandenburg auf ihre Eignung zur dauerhaften Speicherung von CO2. Die Erkundungsanträge für das Vorhaben seien beim Landesamt für Bergbau und Geologie in Cottbus eingereicht worden, sagte der Chef der Vattenvall Europe Mining & Generation, Reinhardt Hassa.

  • Stromtarife

    Ministerien einig über unterirdische CO2-Speicherung

    Bundeswirtschafts- und Bundesumweltministerium haben sich auf einen Gesetzentwurf zu Abscheidung, Transport und dauerhafter Speicherung von Kohlendioxid geeinigt. Damit brachten die beiden Ministerien nun einen Lösungsvorschlag zur rechtlichen Umsetzung der im Dezember 2008 verabschiedeten europäischen CCS-Richtlinie auf den Weg.

Top