Überblick

BP Statistik: Turbulenzen auf globalen Energiemärkten

Der Mineralölkonzern BP hat in dieser Woche sein "Statistical Review of World Energy" vorgelegt. Ergebnisse: Die Energiepreise sind nicht auf Knappheit zurückzuführen, in China ist die Energienachfrage gewaltig angestiegen und Russland verzeichnete das stärkste Wachstum in der Produktion.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Bochum/Berlin (red) - Die globalen Energiemärkte waren 2003 von Turbulenzen gekennzeichnet. Hierzu zählten vor allem Versorgungsstörungen, ein starker Anstieg der Nachfrage sowie der Produktion von Erdöl und Kohle und die höchsten Preise in den Erdöl- und Erdgasmärkten seit 20 Jahren. Das geht aus dem "BP Statistical Review of World Energy" hervor, das der Mineralölkonzern in dieser Woche vorgelegt hat.

"Die im Review enthaltenen Zahlen liefern die Bestätigung dafür, dass die Reserven keineswegs knapp sind", erläutert BP-Chefvolkswirt Peter Davies bei der Präsentation des BP Statistical Review of World Energy 2004. "Die Produktion mag zwar in einigen Regionen ihren Höhepunkt überschritten haben, das ist aber kein Grund für die hohen Preise, die aktuell notiert werden." Der diesjährige Review enthalte neue Zahlen zu ausgewiesenen Öl- und Gasreserven. Dazu wurde auf Daten aus primären Quellen sowie aus einer größeren Bandbreite sekundärer Quellen zurückgegriffen, um genauere und aktuellere Zahlen zu den Reserven zu erhalten.

Zehn Prozent mehr Erdölreserven

Den neuen Daten zufolge werden die globalen Erdölreserven auf insgesamt 1,15 Billionen Barrel geschätzt - etwa zehn Prozent mehr als noch 2002 angenommen. Die globalen Erdölreserven sind in den letzten 30 Jahren fast kontinuierlich gestiegen. Wenn man die heutigen Produktionssraten zugrunde legt, könnte Erdöl für weitere 41 Jahre gefördert werden. Die globalen Reserven an Erdgas sind laut Review kontinuierlich gestiegen und belaufen sich jetzt auf 176 Billionen Kubikmeter, 13 Prozent mehr als für 2002 berichtet. Seit 1980 haben sich die Erdgasreserven mehr als verdoppelt.

Ölpreise so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr

Obwohl die globale Ölförderung 2003 um 3,8 Prozent stieg - stärker als die Nachfrage, die sich um 2,1 Prozent erhöhte - waren die Ölpreise so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr. Dabei wurde die Sorte Brent mit durchschnittlich 28,83 Dollar notiert. Die hohen Preise waren vor allem auf einen starken Anstieg des Ölverbrauchs sowie die notwendige Auffüllung der Lagerbestände zurückzuführen.

China und Russland beeinflussten Märkte am deutlichsten

Vor allem zwei Länder beeinflussten 2003 die globalen Energiemärkte: China und Russland. In China war ein Anstieg der gesamten Energienachfrage um 13,8 Prozent zu verzeichnen, da das Bruttoinlandsprodukt um neun Prozent wuchs und damit auch der Bedarf. Der Verbrauch an Öl, Gas, Kohle und Kernkraft wuchs 2003 um jeweils mehr als zehn Prozent. Auf China allein entfielen 41 Prozent des weltweiten Nachfrageanstiegs beim Erdöl.

Öl- und Gasverbrauch stiegen

Trotz der hohen Preise war 2003 ein starker Anstieg des Ölverbrauchs um 1,5 Millionen Barrel auf 78,1 Millionen Barrel pro Tag zu verzeichnen. Das stärkste Wachstum fand im asiatisch-pazifischen Raum statt. Trotz Versorgungsausfällen in Venezuela und dem Irak stieg die Ölförderung in den OPEC-Ländern um 1,9 Millionen Barrel auf 30,4 Millionen Barrel pro Tag. Allein Saudi-Arabien erhöhte seine Produktion um mehr als eine Million Barrel pro Tag und erreichte damit den höchsten Stand seit 22 Jahren.

Der globale Verbrauch an Erdgas erhöhte sich um relativ schwache zwei Prozent, da die Nachfrage im größten Markt der Welt, den USA, um fünf Prozent zurückging. Außerhalb der USA stieg die Nachfrage um durchschnittlich mehr als vier Prozent.

Kohleverbrauch stiegt durch Nachfrage in China

Der weltweite Kohleverbrauch stieg um 6,9 Prozent, vor allem auf Grund einer gewaltigen Nachfragesteigerung in China um mehr als 15 Prozent. Auch in anderen Regionen der Welt stieg die Nachfrage jedoch deutlich, wobei der Verbrauch in Nordamerika einen Höchststand erreichte. Die Erzeugung von Kernkraft ging weltweit um 2 % zurück. In Japan, dem drittgrößten Erzeugerland der Welt, reduzierte sie sich um 27 Prozent, da 17 der insgesamt 54 Kernkraftwerke des Landes wegen Sicherheitsbedenken vom Netz gehen mussten. 2003 wurden lediglich zwei neue Reaktoren in Betrieb genommen - das ist die niedrigste Zahl seit 35 Jahren.

Die Stromerzeugung aus Wasserkraft stieg um 0,4 Prozent. Hierbei wurden Zuwächse in Lateinamerika und dem asiatisch-pazifischen Raum durch Reduzierungen in Europa und Nordamerika aufgehoben.

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