Umweltkatastrophe

BP kündigt Kostenübernahme für Ölpest an

Der Energiekonzern BP, der die gesunkene Bohrinsel im Golf von Mexiko betrieb, hat am Montag die Übernahme sämtlicher Kosten für Reinigung und Schadenersatzansprüche angekündigt. US-Präsident Obama hatte BP zuvor ausdrücklich als Verantwortlichen für den Unfall auf der Bohrinsel genannt.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

London (afp/red) - Die Firma reagierte damit auf Aussagen von US-Präsident Barack Obama, der BP als Verantwortlichen genannt und Kritik am eigenen Krisenmanagement zurückgewiesen hatte. Die Bemühungen, die Öl-Katastrophe einzudämmen, traten dabei weiter auf der Stelle.

BP werde "alle nötigen und angemessenen Kosten für die Reinigung" übernehmen, hieß es am Montag in einer Mitteilung auf einer eigens eingerichteten Internetseite. BP werde "alle legitimen Forderungen wegen Schäden und Verlusten bezahlen, die objektiv überprüft werden können und mit der Ölpest zusammenhängen". Die Firma habe "eine solide Vorgehensweise festgelegt, um Ansprüche aus dem Deepwater-Horizon-Unfall zu bearbeiten", hieß es. Alle Ansprüche würden zügig bearbeitet, es sei eine Hotline eingerichtet worden, die Betroffene rund um die Uhr anrufen könnten.

Obama hatte BP ausdrücklich als Verantwortlichen für den Unfall auf der Bohrinsel genannt: "BP ist für dieses Leck verantwortlich. BP wird die Rechnung begleichen", sagte Obama. Auf der Bohrinsel "Deepwater Horizon" war es am 20. April zu einer Explosion gekommen, bei der elf Arbeiter ums Leben kamen. Zwei Tage später sank die Plattform, seither strömen täglich rund 800.000 Liter Öl in den Golf von Mexiko. Ungünstige Winde treiben den entstandenen riesigen Ölteppich auf die Küste zu, wo ein einzigartiges Ökosystem und die Fischerei bedroht sind.

Am Freitag hatten die ersten Ausläufer des Ölteppichs die Küste Louisianas erreicht. In den am stärksten betroffenen Gebieten im Golf von Mexiko verhängte die US-Regierung am Sonntag ein zehntägiges Fischfang-Verbot. Vor allem in Louisiana ist kommerzieller und Freizeit-Fischfang ein Wirtschaftszweig mit einem Volumen von 2,4 Milliarden Dollar.

"Wir haben es mit einer massiven und womöglich beispiellosen Umweltkatastrophe zu tun", sagte Obama. Das nach wie vor ausströmende Öl könne schwerwiegende Folgen für die Wirtschaft und die Umwelt der US-Bundesstaaten am Golf von Mexiko haben. Die Ölpest könne die Existenz von tausenden US-Bürgern gefährden, die dort zuhause sind, sagte Obama. Der Präsident verteidigte die Reaktion seiner Regierung auf die Ölkatastrophe. Washington habe vom ersten Tag an unnachgiebig "alle Mann an Deck" gerufen, um auf die Krise zu reagieren. Obama versprach, auch künftig im Kampf gegen die Ölpest "keine Anstrengung auszulassen".

Die Reparaturversuche mit den von BP eingesetzten Unterwasser-Robotern kamen allerdings nicht voran. Die Roboter sollen einen Mechanismus aktivieren, der eigentlich im Fall eines Unfalls das Ölleck automatisch abdichten soll, nach der Explosion aber nicht ausgelöst worden war. Mehr Hoffnung setzt BPs USA-Chef Lamar McKay mittlerweile auf eine riesige Kuppel, die zum Abdecken des Lecks gebaut werden soll. Sie könne vielleicht nächste Woche fertiggestellt werden, sagte McKay am Sonntag.

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