Kritik von Umweltverbänden

Bonner UN-Klimakonferenz quasi ergebnislos beendet

Mit einem neuen Verhandlungstext sind am Freitag in Bonn die Vorverhandlungen für den Weltklimagipfel im Dezember im mexikanischen Cancun zu Ende gegangen. Demnach sollen die Industrienationen bis 2020 beabsichtigten, ihre Treibhausgas-Emissionen um 25 bis 40 Prozent zu reduzieren.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Bonn (ddp/red) - Das sagte die Vorsitzende der Verhandlungsgruppe, Margaret Mukahanana-Sangarwe, am Freitag in Bonn. Allerdings beinhalte der Text keinen Vergleichszeitpunkt. Viele weitere Hauptpunkte blieben ebenso ungelöst. Kritik kam von Umweltverbänden.

Die fast zweiwöchige Klimakonferenz mit 4200 Teilnehmern aus fast 180 Ländern hatte auf Einladung des in Bonn ansässigen UN-Klimasekretariats stattgefunden. Zwei weitere Treffen sind im August in Bonn und im Herbst in China geplant.

Der Chef des UN-Klimasekretariats, Yvo de Boer, sagte in seiner Abschiedsrede, er glaube nicht, dass der Anstieg des CO2-Ausstoßes bis 2020 gestoppt werde. Bereits vor drei Wochen äußerte er sich pessimistisch zu den Aussichten, dass in Cancun ein Kyoto-Nachfolgeabkommen zustande kommen werde. Das bisherige Kyoto-Protokoll läuft 2012 aus. Bereits Anfang Mai hatte die Bundesregierung bei einem Treffen auf dem Petersberg bei Bonn versucht, die seit der gescheiterten UN-Klimakonferenz in Kopenhagen Ende 2009 festgefahrene Debatte wieder in Schwung zu bringen.

Die Umweltorganisation Greenpeace wertete die Ergebnisse als "schlechte Basis für die weitere Klimapolitik". Klimaexperte Martin Kaiser sagte: "In Bonn wurde nichts vorangebracht." Für die nächsten beiden Vorverhandlungen in Bonn und China blieben zentrale Fragen ungeklärt. Als Hauptschuldigen für die Blockaden nannte er die USA.

Der Präsident des Naturschutzbundes NABU, Olaf Tschimpke, sagte, zumindest sei die "Schockstarre" nach der Konferenz in Kopenhagen gelöst. Auf "positive Teilerfolge" müsse nun im Dezember aufgebaut werden. Konkrete Entscheidungen seien seiner Ansicht nach möglich zu Technologiekooperationen zwischen Industrie- und Entwicklungsländern sowie zum Erhalt von Wäldern. Er bedauerte jedoch, dass weder die USA noch die EU etwas unternommen hätten, den Ausstoß von Treibhausgasen zu senken. Es sei ein "Skandal", dass viele Industrieländer ihre Klimabilanzen mit Tricksereien "aufgehübscht" hätten.

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) sprach von einem "nahezu ergebnislosen Ausgang". Die Industriestaaten hätten sich erneut vor verbindlichen und ausreichenden Zusagen zur Minderung der CO2-Emissionen "gedrückt". Nach derzeitigem Stand werde es, wenn das Kyoto-Abkommen 2012 auslaufe, keine globalen CO2-Minderungsziele geben. "Wieder einmal wurde der Klimaschutz vertagt", bilanzierte BUND-Chef Hubert Weiger.

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