Initiative

Böge will sinkende Gaspreise noch 2006 durchsetzen

Der Präsident des Bundeskartellamts, Ulf Böge, will die Marktmacht von E.ON Ruhrgas bereits in den kommenden Monaten begrenzen. Seine Initiativen würden sich "für die Verbraucher noch in diesem Jahr in günstigeren Preisen niederschlagen", sagte Böge dem "Handelsblatt" (Montagausgabe).

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Düsseldorf (ddp/sm) - Böge hat in den vergangenen Monaten eine Reihe von Verfahren eingeleitet, die die Energiemärkte betreffen. Besonders die Lieferverträge, mit denen die E.ON-Tochter Ruhrgas Stadtwerke und Regionalversorger langfristig an sich gebunden hat, sind dem Kartellamtschef ein Dorn im Auge. Nun will er das Problem kurzfristig lösen. "Eine Entscheidung bei den Gaslieferverträgen steht bevor", sagte Böge. Er sei zuversichtlich, dass es noch in diesem Gaswirtschaftsjahr, also bis Ende September, im Eilverfahren eine sofort vollziehbare richterliche Entscheidung in seinem Sinne geben werde.

E.ON-Chef Wulf Bernotat wies die Vorwürfe zurück. "Marktmacht an sich ist doch nichts unzulässiges. Das einzige, was das Kartellamt beanstanden kann, ist ein Missbrauch von Marktmacht. Und in diesem Punkt haben wir eben eine andere Auffassung als das Kartellamt", sagte er der Zeitung. Böges Forderungen gingen zu weit, sagte der Vorstandsvorsitzende des größten deutschen Energiekonzerns.

Auch die Entwicklung der Strompreise beobachtet Böge mit Sorge. "Viele Unternehmen sind von einem Strompreisniveau betroffen, das sie in Existenznot bringt", sagte er. Böge wünscht sich mehr Wettbewerb im Strommarkt, der im Wesentlichen von den vier großen Anbietern E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW beherrscht wird. "Der hohe Konzentrationsgrad unter den Stromerzeugern und hohe Hürden für neue Anbieter tragen ganz erheblich zu den hohen Strompreisen bei", kritisiert Böge.

Auch Bundeswirtschaftsminister Michael Glos (CSU) will den Wettbewerb ankurbeln. Doch dafür fehle ein höheres Stromangebot. "Wir brauchen Kraftwerksneubauten - und hier erwarte ich nicht nur weitere belastbare Aussagen aus der Wirtschaft, sondern konkrete Taten", sagte Glos dem "Handelsblatt".

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