Ungeklärt

BMU: Brunsbüttel-Vorfall stellt Zuverlässigkeit des Betreibers in Frage

Ein Vorfall im Kernkraftwerk Brunsbüttel im Dezember vergangenen Jahres hat gestern noch einmal den Umweltausschuss des Bundestages beschäftigt. Dabei stellten die Experten die Zuverlässigkeit des Betreibers in Frage. Dieser wies die Vorwürfe jedoch als nicht zutreffend zurück.

Hochspannungsleitung© Gina Sanders / Fotolia.com

Das Bundesumweltministerium hat heute dem Umweltausschuss des Deutschen Bundestages einen Bericht zu einem Vorfall im Atomkraftwerk Brunsbüttel im Dezember letzten Jahres vorgelegt. Bei einer Inspektion vor Ort unter Beteiligung des Bundesumweltministerium und der Gesellschaft für Reaktorsicherheit wurde Ende letzter Woche festgestellt, dass eine Rohrleitung des Reaktordruckbehälter-Sprühsystems über eine Länge von 2 bis 3 Metern völlig zerborsten ist. Die präzise Ursache der Zerstörung der Rohrleitung ist bisher noch nicht ermittelt. Der Betreiber HEW vermutet als Ursache eine Wasserstoffexplosion im Innern der Rohrleitung.

Nach Angaben der Trittin-Behörde bekommt das Ereignis eine besondere sicherheitstechnische Bedeutung sowohl dadurch, dass sich in einer Rohrleitung überhaupt ein explosives Wasserstoff-Sauerstoff-Gemisch bilden konnte, als auch dadurch, dass dies in einem Rohrleitungsbereich geschah, der sich unmittelbar hinter der druckführenden Umschließung befindet. Wäre die Explosion etwa drei bis vier Meter weiter in Richtung Reaktordruckbehälter passiert, so hätte die druckführende Umschließung zerstört werden können, und es wäre zu einem Störfall mit Kühlmittelverlust und der Anforderung von Notkühleinrichtungen gekommen. Nach Auffassung der schleswig-holsteinischen Aufsichtsbehörde und des Bundesumweltministeriums wirft dieses Ereignis sehr komplexe Sicherheitsfragen auf, die zum Teil in dieser Form neu sind. Vor einer eventuellen Wieder-Inbetriebnahme des Reaktors muss der Schadensmechanismus vollständig geklärt und es müssen Maßnahmen ergriffen werden, die eine Wiederholung auch in anderen sicherheitstechnisch wichtigen Bereichen der Anlage mit hinreichender Sicherheit ausschließen, forderten die Behörden. Zudem stelle sich die Frage nach der Zuverlässigkeit des Betreibers. Dieser hätte trotz vorliegender Meldungen auf der Warte nur die harmloseste Variante unterstellt und weitergemeldet, so das BMU abschließend.

Die Kernkraft Brunsbüttel GmbH weist hingegen Vorwürfe über die angeblich verspätete Meldung des Vorfalls am 14. Dezember 2001 als nicht zutreffend zurück. Im Nachgang zu dem Ereignis seien analytische Untersuchungen unter Einbeziehung des Gutachters durchgeführt worden, um die Bewertung des Ereignisses aus den vorliegenden Informationen abzusichern. Diese Untersuchungen hätten zu der Entscheidung geführt, die Leistung der Anlage am 18. Februar 2002 abzusenken und den Sicherheitsbehälter im Beisein von Vertretern der Aufsichtsbehörde und des Gutachters TÜV Nord zu begehen. Bei dieser Inspektion hätte sich der Schaden umfangreicher dargestellt als ursprünglich angenommen.

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