Wg. Rechtsstreit

Blockierte Fusion: Vattenfall-Hauptversammlung ohne Bewag-Aktionäre

In Berlin fand gestern die erste Hauptversammlung der aus der Fusion der Energiekonzerne HEW, Bewag, Veag und Laubag entstandenen Vattenfall Europe AG statt. Die Aktionäre der Bewag konnten allerdings nur als Gäste teilnehmen, die Verschmelzung mit der Bewag wegen einer Anfechtungsklage nicht rechtzeitig ins Handelsregister eingetragen werden konnte.

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Klaus Rauscher, Vorstandsvorsitzender von Vattenfall Europe, sagte, dass die Verzögerung der Verschmelzung zu Schäden in zweistelliger Millionenhöhe führen kann, weil Synergieeffekte und Kostenvorteile erst zu einem späteren Zeitpunkt realisiert werden können. Zudem können die Bewag-Aktionäre zunächst nicht an der Dividenden-Ausschüttung beteiligt werden. Rauscher zeigte sich jedoch zuversichtlich, dass die letzte gerichtliche Instanz bald zu Gunsten des Konzerns entscheiden wird. Wenn die Fusion bis 1. September ins Handelsregister eingetragen wird, können auch die Bewag-Aktionäre von der Dividende profitieren.

In erster Linie ging es auf der Hauptversammlung jedoch um die Ergebnisse der Geschäftstätigkeit. In der ersten Hälfte des laufenden Geschäftsjahrs 2003 ist der Umsatz im Konzern von Januar bis Juni 2003 mit 4,16 Milliarden Euro leicht unter dem Niveau des Vorjahreszeitraums geblieben. Dies sei vor allem durch den Rückgang des Handelsgeschäfts zu erklären, in dem im Berichtszeitraum 1,1 Milliarden Euro erlöst wurden. Ursache für den Rückgang seien neben den konsolidierungsbedingten Einflüssen die ab Sommer 2002 vorgenommene Konzentration des Handelsgeschäfts bei Vattenfall Europe Trading sowie das Auslaufen der Handelsaktivitäten von Bewag und HEW. Beides hatte zur Folge, dass Umsatz aus Eigenhandel zwischen den späteren Konzerngesellschaften weggefallen ist. Die vorliegenden Zahlen wurden allerdings nach deutschen Buchhaltungsregeln (HGB) ermittelt und können daher nicht mit einem Halbjahresergebnis des Mehrheitsgesellschafters der Vattenfall Europe, der Vattenfall AB, nach Swedish GAAP gleichgesetzt werden.

Der Umsatz im Stromvertrieb an Verbraucher und Weiterverteiler wie Stadtwerke hat sich gut entwickelt. Er lag – abzüglich der abzuführenden Stromsteuer – bei 2,55 Milliarden Euro. Zum Umsatz steuerte unter anderem Bewag 680 Millionen Euro bei, von HEW kamen 654 Millionen Euro und von Vattenfall Europe Sales 564 Millionen Euro. An Vertriebskunden hat Vattenfall Europe von Januar bis Juni dieses Jahres 41,1 Milliarden Kilowattstunden Strom verkauft, an Handelspartner waren es 30,2 Milliarden Kilowattstunden. Das ergibt einen Gesamtstromverkauf von knapp 71,3 Milliarden Kilowattstunden.

Das Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit beträgt im Berichtszeitraum für den Konzern 197 Millionen Euro und liegt trotz des leicht gesunkenen Umsatzes auf dem Niveau des Vorjahres. "Dieses gute Ergebnis gründet neben der Absatz- und Preisentwicklung im Kerngeschäft zu einem guten Teil auf den Kostensenkungsprogrammen, die bereits in den vergangenen Jahren von unseren Einzelunternehmen beschlossen worden sind", kommentierte Dr. Rauscher die geschäftliche Entwicklung von Vattenfall Europe in den ersten sechs Monaten dieses Jahres.

Gleichzeitig sprach sich Rauscher für Regulierungsbehörde aus, die als Schiedsrichter für fairen Wettbewerb fungiert, nicht aber selbst die Spielregeln bestimmt. Ziel der Regulierungsbehörde müsse Transparenz und Berechenbarkeit sein, die Netznutzungsentgelte müssten Erhalt und Investitionen der Netze ermöglichen. Reguliert werden dürfe nur der Netzzugang.

Außerdem hat es einen Wechsel im Vorstand gegeben. Mats Fagerlund wird zum 1. Januar 2004 Berndt-Olof Helzen im Vorstand der Vattenfall Europe ablösen. Im Konzernvorstand der Vattenfall AB war Mats Fagerlund seit 1999 maßgeblich an den Unternehmensakquisitionen der Vattenfall-Gruppe auf dem deutschen Markt beteiligt und hatte Mandate im Aufsichtsrat der HEW und heute dann der Vattenfall Europe AG inne. Helzen, zuvor als Vorstand bei Vattenfall AB verantwortlich für den Netzbetrieb in Schweden, Finnland und Polen, hat zunächst bei HEW und später dann die bei Vattenfall Europe neu geschaffenen Business Units Distribution und Transmission aufgebaut und geführt. Er wird verschiedene Aufgaben im Konzern fortsetzen, darunter Aufsichtsratsmandate in den deutschen Konzerngesellschaften.

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