Miese Stimmung

Biogasbranche erwartet 300 Millionen DM Umsatz-Einbruch

Es brodelt beim Fachverband Biogas im bayrischen Freising: Die Fördermittelkürzung von Wirtschaftsminister Müller ist für die Bauern unverständlich. Sie hätten kaum Zeit gehabt, eine Zukunftstechnologie aufzubauen.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Nach bekannt werden der am Mittwoch in Kraft getretenen geänderten Richtlinie zur Förderung von Maßnahmen zur Nutzung Erneuerbarer Energien erwartet der Fachverband Biogas e.V. einen Rückgang der Investitionen um bis zu 70 Prozent. Gerade für die von den Kürzungen besonders getroffenen landwirtschaftlichen Biogasanlagen sei eine wirtschaftliche Produktion unter den neuen Rahmenbedingungen kaum möglich. Nach Einschätzungen des Verbandes drohe die neue Richtlinie zur Katastrophe für die Biogas-Branche zu werden.

"Es ist uns unerklärlich wie ein solch folgenreicher Einschnitt in die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in einer Nacht und Nebel Aktion ohne Abstimmung mit den Vertretern der Branche erfolgen konnte", kritisierte Markus Ott, Vizepräsident des Fachverband Biogas e.V. und Sprecher der Arbeitsgemeinschaft deutscher Biogasanlagenhersteller das Vorgehen des Bundeswirtschaftsministers. Die überwiegend jungen Firmen der Branche hätten gerade in Produktionskapazitäten und Personal investiert um dem beginnenden Boom gerecht zu werden. Jetzt drohe vielen neu eingestellten Mitarbeitern die Entlassung noch in der Probezeit. Josef Pellmeyer, Präsident des Fachverbandes Biogas e.V., fragt sich dabei, wie diese Kürzungen mit der neuen, dezentralen Landwirtschaftspolitik von Ministerin Künast zu vereinbaren seien: "Für die meisten Landwirte sind die Pläne, Energiewirt zu werden jetzt passé", ist sich der Biogasanlagenbetreiber und Landwirt aus dem oberbayerischen Freising sicher.

Dabei hätte die Biogas-Branche nur ein Jahr Zeit gehabt, sich von einer idealistischen Bastler-Gemeinschaft zu einer Branche der Zukunftstechnologie zu entwickeln. "Wir konnten noch nicht einmal richtige Erfahrungen mit dem EEG und dem Marktanreizprogramm sammeln, geschweige denn eine junge Technologie zu einem Standardverfahren der regenerativen Energiegewinnung weiterentwickeln", gibt auch Claudius da Costa Gomez, Geschäftsführer des Fachverbandes Biogas zu bedenken. Aus diesem Grund sollte das Programm zusammen mit den Experten modifiziert werden. Der Fachverband Biogas fordert, die im Bundesanzeiger vom 25. Juli veröffentlichte Richtlinie umgehend außer Kraft zu setzen und in einer überarbeiteten Richtlinie die bisherige Regelung des Teilschuldenerlasses wieder herzustellen.

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