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Billiges Gas: Einige Bundesländer zahlen trotzdem drauf

Gas ist sehr viel günstiger als noch vor zwei Jahren. Dennoch liegen in einem Bundesland die Gaspreise sogar über dem bundesweiten Durchschnittspreis von 2014. Was sind die Hintergründe?

Gaspreiserhöhung© brozova / Fotolia.com

Berlin – Die Gaspreise sind in den letzten zwei Jahren um 11 Prozent gesunken. Aber nicht in jedem Bundesland profitieren Verbraucher gleichermaßen, berichtet Toptarif. Für die gleiche Menge Gas ergeben sich deutschlandweit Preisunterschiede von bis zu 31 Prozent.

Gas ist in Thüringen, Sachsen-Anhalt und im Saarland teurer

Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden pro Jahr zahlt dem Vergleichsportal zufolge im Bundesdurchschnitt aktuell 1.185 Euro – allerdings sind die Unterschiede zwischen den Bundesländern teilweise gravierend. Während eine Familie in Hamburg für 20.000 kWh 962 Euro bezahlt, werden für dieselbe Menge im Saarland 1.393 Euro fällig – das ist ein Preisunterschied von 431 Euro oder 31 Prozent. Zum Vergleich: Der Bundesdurchschnitt im Oktober 2014 lag bei 1.330 Euro. Somit bezahlen die Bewohner im Saarland heute immer noch mehr für Gas als der deutsche Durchschnitt vor zwei Jahren.

Teuer ist Gas auch in Thüringen (1.286 Euro), Sachsen-Anhalt (1.282 Euro) und Mecklenburg-Vorpommern (1.259 Euro). Hier liegen die Gaspreise etwa auf dem durchschnittlichen Preisniveau von vergangenem Oktober (1.286 Euro).

Preisschere bei den Netzentgelten

Für die regionalen Preisunterschiede sind vor allem die Netzentgelte verantwortlich, die die Netzbetreiber für die Durchleitung der Energie erheben. Sie unterscheiden sich je nach Bundesland stark in Höhe und Entwicklung. Vor allem in strukturschwachen Regionen mit geringerer Bevölkerungsdichte zahlen Verbraucher höhere Entgelte, weil die Kosten auf entsprechend weniger Haushalte umgelegt werden.

Hiervon am härtesten betroffen sind die Bewohner im Saarland: Mit 423 Euro zahlen sie die höchsten Netzkosten Deutschlands knapp vor Mecklenburg-Vorpommern (414 Euro). Am geringsten fallen die Kosten in Berlin (257 Euro) aus – im Vergleich zum Saarland eine Differenz von 39 Prozent. Verhältnismäßig günstig sind die Netzkosten auch in Bremen (270 Euro) und Bayern (280 Euro).

Stromanbieter legen Preise fest: Preisdifferenzen bis zu 49 Prozent

"Die gesunkenen Gaspreise kommen nicht automatisch bei allen Verbrauchern an, daher sollten sie selbst aktiv werden und die großen Preisunterschiede auf dem Gasmarkt für sich nutzen", sagt Dr. Arnd Schröder, Geschäftsführer von TopTarif.

Auch wenn die Gasversorger auf die Höhe der Netzentgelte keinen Einfluss haben, folgen viele Anbieter den gefallenen Beschaffungskosten und senken ihre Preise. Seit Beginn des Jahres sind die Gaspreise um sechs Prozent gesunken.

Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Gasverbrauch von 20.000 Kilowattstunden zahlt im teuren Grundversorgungstarif aktuell 1.448 Euro. Beim günstigsten Anbieter werden nur 739 Euro fällig – das entspricht einer jährlichen Entlastung von 709 Euro. Damit liegt der Preisunterschied bei 49 Prozent. Vor einem Jahr waren es 42 Prozent, vor zwei Jahren sogar nur 38 Prozent.

Auf Bundesländerebene zeigt sich die größte Preisdifferenz im Saarland. Hier kostet der günstigste Tarif nur 771 Euro statt dem 1.643 Euro teuren Grundversorgungstarif. Das sind 872 Euro weniger oder 53 Prozent.

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