Pannenreaktor

Biblis: Defekte und Schiffsunfall an einem Tag

Das RWE-Atomkraftwerk Biblis bleibt ein Pannenreaktor: Nachdem am vergangenen Dienstag bei der Kollision eines Frachtschiffes mit einem Kühlwasserbecken des Reaktors erheblicher Schaden angerichtet wurde, gab es an dem Tag drei weitere Zwischenfälle, die allerdings erst am Freitag bekannt wurden.

Strom sparen© Gina Sanders / Fotolia.com

Biblis (ddp-hes/sm) - Wie erst am Freitag bekannt wurde, sind wenige Stunden nach dem Schiffsunfall im Außenbereich des Atomkraftwerks Biblis am vergangenen Dienstag drei Defekte aufgetreten. Einer davon betraf den nichtnuklearen Teil von Block A, die anderen beiden den Block B, teilten das hessische Umweltministerium als Aufsichtsbehörde und die Betreiberfirma RWE Power am Freitag mit.

Einen Zusammenhang zwischen dem Unfall und den Defekten schlossen Ministerium und RWE Power aber aus. Eine Gefahr für Menschen und Umgebung habe nicht bestanden, hieß es. Eine Ministeriumssprecherin betonte, die Aufsichtsbehörde sei erst am Freitag von der Betreiberfirma über die Zwischenfälle informiert worden.

RWE Power verschickte eine Mitteilung über "Vorkommnisse ohne sicherheitstechnische Bedeutung", in der das Unternehmen auf die fristgerechte Meldung an die Aufsichtsbehörde hinwies. Eine Unternehmenssprecherin erklärte die Frist zwischen den drei Störungen und der Meldung an die Atomaufsicht mit den nötigen Recherchen, die man zum Ausfüllen des Meldebogens brauche. Je nach Dauer der Nachforschungen habe das Unternehmen dafür bis zu fünf Werktage Zeit, betonte sie.

Im Block B konnte bei Routine-Überprüfungen ein Absperrventil im Not- und Nachkühlsystem nicht automatisch von der Warte aus geschlossen werden. Ursache war laut Ministerium ein mechanisch beschädigter Stift. Nach dem Austausch des defekten Bauteils sei das Absperrventil wieder in Betrieb genommen worden.

Der zweite Defekt im Block B betraf das so genannte Schaltanlagengebäude. Beim Wiederanschalten eines zu Wartungszwecken abgeschalteten Lüftungsventilators versagte er. Laut RWE Power lösten zwei Sicherungen aus und die Stromversorgung wurde unterbrochen. Ein Ersatzventilator schaltete sich automatisch zu. Im Block A war eine Absperrarmatur im nichtnuklearen Teil der Anlage wegen eines gebrochenen Steuerungskabels nicht zu schließen. Auch diese beiden Vorfälle waren durch Reparatur zu beheben.

Die Grünen im hessischen Landtag sprachen von einem "schwarzen Pannentag im AKW Biblis". Die umweltpolitische Grünen-Fraktionssprecherin Ursula Hammann kritisierte eine zu zögerliche Unterrichtung der Öffentlichkeit durch RWE Power. Sie verlangte von Umweltminister Wilhelm Dietzel (CDU) Erklärungen zur Ursache der jüngsten Defekte und zu der Schiffshavarie. Nach wie vor sei unklar, warum ein großes Güterschiff so nah an das AKW heranfahren könne, ohne dass technische Schutzeinrichtungen eine Schiffskollision wirkungsvoll hätten verhindern können. Außerdem forderte Hammann Informationen darüber, was passiert wäre, wenn das in den Unfall verwickelte Schiff Chemikalien statt Kies geladen hätte.

Von Susanne Rochholz

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