Sicherheitstechnische Fragen

BfS legt Endlager-Gutachten vor

Die Endlagerung von radioaktivem Müll ist ein stark diskutiertes Thema. Ein neues Gutachten des Bundesamts für Strahlenschutz hat jetzt ergeben, dass keines der in Deutschland möglichen Wirtsgesteine besonders gut (oder schlecht) geeignet ist. Daher müssten die Standorte direkt miteinander verglichen werden.

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Braunschweig (red) - Zur Endlagerung radioaktiver Abfälle ist keines der möglichen Wirtsgesteine in Deutschland (Salz, Ton, Granit) generell den anderen vorzuziehen. Ein bestmöglicher Endlagerstandort könne nur auf Grundlage eines Standortvergleiches ermittelt werden. Dies sind die zentralen Aussagen des Abschlussberichtes zu einem umfangreichen Untersuchungsprogramm des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zu sicherheitstechnischen und konzeptionellen Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle.

In Untersuchungsvorhaben wurde zu zwölf grundsätzlichen sicherheitstechnischen und konzeptionellen Fragen der Endlagerung radioaktiver Abfälle der aktuelle Stand von Wissenschaft und Technik ermittelt und einer Bewertung unterzogen. Dabei sollte insbesondere untersucht werden, ob Salz als Wirtsgestein im Vergleich zu Ton oder Granit besser zur Endlagerung geeignet ist. Gleichzeitig ging es um die Rückholbarkeit von radioaktiven Abfällen, die Rolle technischer und geologischer Barrieren (Mehrbarrieren) und die Folgen von unbeabsichtigtem menschlichem Eindringen in ein verschlossenes Endlager.

Zur Absicherung der Ergebnisse wurden sie einem "peer review" unterzogen und von einer fachkompetenten und pluralistisch zusammengesetzten Expertengruppe im Rahmen eines Workshops Ende September 2005 diskutiert. Das BfS hat unter Einbeziehung der Ergebnisse des Workshops nunmehr den zusammenfassenden Bericht "Wirtsgesteine im Vergleich - Synthese" vorgelegt, der eine Grundlage für weitere Entscheidungen darstellen soll. Die Kernaussagen:

  • Es können keine eindeutigen Vorteile eines Wirtsgesteins in Deutschland (Salz, Ton, Granit) ausgemacht werden.
  • Die Vorteile von Wirtsgesteinen sind nur im Vergleich von Standorten zu ermitteln.
  • Es besteht Regelungsbedarf zu den Schutzzielen der Endlagerung.
  • Forschungsbedarf ergibt sich aus standortspezifischen Sicherheitsanalysen.

Grundlegender Forschungsbedarf wurde auch bei der geochemischen Modellierung und der Entwicklung von Bewertungsgrößen und eines Bewertungsmaßstabes für eine gemeinsame Bewertung der Konsequenzen freigesetzter chemotoxischer und radiotoxischer Schadstoffe aus dem Endlager identifiziert. Zukünftige Arbeiten zur Endlagerung radioaktiver Abfälle sollten sich aus Sicht des BfS auf standortspezifische Sicherheitsanalysen konzentrieren.

Die Vereinigung der deutschen Kernkraftwerksbetreiber, das Deutsche Atomforum, sieht sich mit den Ergebnissen des Gutachtens in ihrer Forderung nach Wiederaufnahme der Erkundung des Salzstocks Gorleben bestätigt. Demnach sei der Salzstock aus methodisch-konzeptioneller und sicherheitstechnischer Perspektive als mögliches Endlager für radioaktive Abfälle geeignet. "Jetzt gilt es, die ergebnisoffene Erkundung in Gorleben möglichst schnell abzuschließen, um endgültige Klarheit über den Standort zu schaffen", erklärte Dr. Walter Hohlefelder, Präsident des Deutschen Atomforums.

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