"Neue Kraft"

Bewag-Betriebsrat droht bei weiterem Stellenabbau mit Streik

Die "Neue Kraft" auf dem deutschen Strommarkt kommt - und zwar mit der Berliner Bewag. Infolge der Fusion mit HEW, VEAG und Laubag lehnt der Betriebsrat der Bewag jedoch weitere Stellenkürzungen kategorisch ab. Die Stimmung sei unter den Beschäftigten sei "miserabel".

Energieversorung© Gina Sanders / Fotolia.com

Infolge der Bildung der "Neuen Kraft" auf dem deutschen Strommarkt lehnt der Betriebsrat der Berliner Bewag weitere Stellenkürzungen kategorisch ab. Die Mitarbeiter, ließ Betriebsratschef Herbert Strobel die "Berliner Zeitung" wissen, seien sogar zum Streik bereit.

Nachdem Mirant Anfang Dezember des vergangenen Jahres seine Bewag-Anteile an den Stockholmer Energieversorger Vattenfall verkauft hatte, war es - wider Erwarten - doch noch möglich geworden, die Bewag in den neuen nordostdeutschen Stromkonzern ("Neue Kraft") einzugliedern - neben VEAG, HEW und Laubag. Derzeit zählt man bei der Bewag 5100 Stellen; bis 2003 soll diese Zahl sozialverträglich auf 4000 Mitarbeiter reduziert werden. Mehr ist mit dem Betriebsrat offensichtlich nicht zu machen. Sollte das Management infolge der Bildung der "Neuen Kraft" weitere Stellenkürzungen in Betracht ziehen, sei die Belegschaft auch zum Streik bereit, so Strobel gegenüber der BZ.

VEAG, HEW, Laubag und Bewag beschäftigen zusammen rund 24.000 Arbeitnehmer. HEW-Chef Klaus Rauscher, designierter Vorstandsvorsitzender des neuen Energiekonzerns, hatte einen Stellenabbau infolge der Fusion der vier Unternehmen angekündigt. Jetzt verlangt der Betriebsrat der Bewag ein neues Personalkonzept bis spätestens zum Ende des ersten Quartals.

Gegenüber der BZ sagte Strobel, dass er vor allem in den Verwaltungseinheiten der Bewag Gefahrenpotenzial für einen Stellenabbau sehe. Derweil sich Jobs in den Sparten Netz, Wärmegeschäft und Vertrieb nicht überregional steuern ließen, seien Verwaltungseinheiten durch die Fusion von etwaigen personellen Doppelbelegungen betroffen.

Die Stimmung der Belegschaft umschrieb der Betriebsratsvorsitzende als "miserabel". Vor allem zwei Punkte stoßen den Arbeitnehmern auf. Zum einen der Umstand, dass Mirant seine Anteile trotz aller Versprechen an Vattenfall verkauft habe. Zum anderen die Vermutung, dass VEAG, HEW und Laubag bereits die Architektur des neuen Konzerns festgelegt hätten, während die Bewag aufgrund Meinungsverschiedenheiten ihrer Haupteigner zeitweise nicht an den Fusionsverhandlungen beteiligt war.

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