Rheinland-Pfalz

Bericht: Grundversorger-Preise sind zu hoch

Die Stromtarife in der Grundversorgung sind vergleichsweise hoch, zeigt eine aktuelle Analyse zu den Strompreisen in Rheinland-Pfalz. Die Verbraucherzentrale hat die preisliche Entwicklung nachgezeichnet und schätzt, dass 35 Prozent der Haushalte zusammen mindestens zehn Millionen Euro zu viel im Jahr bezahlen.

Strompreis© babimu / Fotolia.com

Mainz (red) - Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat die Tarife für die Grundversorgung bei Strom landesweit analysiert. Ein Vergleich der wesentlichen Kostenblöcke und ihrer preislichen Entwicklung über einen Zeitraum von fünf Jahren zeigt, dass die deutlich gesunkenen Beschaffungskosten der Stromversorger so gut wie nicht bei den Kunden in der Grundversorgung angekommen sind.

Stromeinkauf ist für Versorger günstiger geworden

Die Versorger haben die Preissteigerungen der vergangenen Jahre in erster Linie mit gestiegenen Abgaben – etwa für den Ausbau der erneuerbaren Energien – und mit höheren Netzentgelten begründet. Dass jedoch gleichzeitig die Kosten für den Stromeinkauf im selben Zeitraum um rund 20 Prozent gesunken sind, spüren die Kunden in der Grundversorgung bislang so gut wie nicht, so die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz e.V. Ein rheinland-pfälzischer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von beispielsweise 3.600 Kilowattstunden zahlt aktuell im Schnitt 1.134 Euro in der Grundversorgung. Das sind rund 30 Prozent mehr als noch Ende 2010. Nach vorsichtiger Schätzung gehen die Verbraucherschützer davon aus, dass die rund 35 Prozent der rheinland-pfälzischen Haushalte, die in der Grundversorgung sind, mindestens zehn Millionen Euro im Jahr zu viel zahlen.

Schwieriger Wechsel bei niedrigem Einkommen

Zu den Haushalten in der Grundversorgung gehören viele Kunden mit niedrigem Einkommen, erklärt Ulrike von der Lühe, Vorstand der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz. Für diese sei ein Tarif- oder gar Versorgerwechsel oft schwer oder unmöglich, weil sie eine negative Bonitätsbewertung hätten oder mit den Modalitäten eines Wechsels überfordert seien. Die gesunkenen Kosten nicht weiterzugeben widerspreche dem Prinzip der preisgünstigen Versorgung, das im Energiewirtschaftsgesetz festgehalten ist.

Nur wenige haben die Preise gesenkt

Die Strompreise lassen sich in drei Kostenblöcke aufteilen: Steuern und Abgaben sind staatlich vorgegeben. Die Netzentgelte unterliegen der Regulierung durch die Bundesnetzagentur. Der dritte Block, bestehend aus den Kosten für Strombeschaffung und Vertrieb sowie der Gewinnmarge, kann von den Versorgern selbst wesentlich beeinflusst werden.

"Nur in knapp sieben Prozent der untersuchten 2.700 Postleitzahlenbereiche konnten wir eine Senkung dieses Kostenblocks im betrachteten Zeitraum feststellen. Bei allen anderen gab es trotz der gesunkenen Beschaffungskosten zum Teil sogar deutliche Steigerungen", fasst Hans Weinreuter, Energiereferent der Verbraucherzentrale, zusammen. "Es ist zu vermuten, dass damit bei vielen Versorgern die Marge erhöht wurde, weil kaum davon auszugehen ist, dass die Vertriebskosten der Unternehmen im gleichen Umfang gestiegen sind", so Weinreuter weiter.

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