Neuster Stand

Berater: Unternehmen unzureichend auf Emissionshandel vorbereitet

Nach Ansicht der Beratungsgesellschaft LogicaCMG sind die Unternehmen in Deutschland bisher nur unzureichend auf den Emissionshandel vorbereitet. Um unnötige Kosten und hohe Strafen zu vermeiden, sollten sie baldmöglichst ihre Strategien, IT-Systeme und Geschäftsprozesse auf den neusten Stand bringen.

Strompreise© Andre Bonn / Fotolia.com

Eschborn (red) - Nachdem das Bundeskabinett den Kompromiss von Umweltminister Jürgen Trittin und Wirtschaftsminister Wolfgang Clement zum Abgashandel verabschiedet hat, wird es jetzt für die Industrie höchste Zeit, sich auf den Handel mit Emissionsrechten vorzubereiten. Darauf weist LogicaCMG hin, die drittgrößte Beratungsgesellschaft in Europa.

Nach Erkenntnissen der Consultants hat sich bislang kaum ein deutsches Unternehmen mit dem Abgashandel gemäß dem Emissions Trading Scheme (ETS) der Europäischen Union beschäftigt. "Der politische Streit um die Eckdaten beim Kohlendioxid-Ausstoß bis 2007 bzw. 2012 hat viele Unternehmen erst wachgerüttelt. Nach heutigem Stand ist die Industrie überwiegend nicht in der Lage, ihre Emissionen im Vergleich mit den neuen Regelungen zu bewerten geschweige denn Strategien für den Handel mit Emissionsrechten zu entwickeln oder gar durchzuführen", sagt Peter Herrmann, Chief Executive Officer (CEO) von LogicaCMG in Deutschland.

Herrmann verweist darauf, dass sich der Handel mit Emissionsrechten in den USA schon seit langem als ein wirksames Mittel der Umweltpolitik bewährt hat. Dabei können die Unternehmen je nach betrieblichen Erfordernissen ähnlich wie an einer Börse Rechte zum Ausstoß von Kohlendioxid kaufen und verkaufen. "Der Handel stellt ein effizientes Instrument zur Erreichung von Umweltzielen dar", verweist Peter Herrmann auf Erfahrungen aus den USA.

Die ETS-Richtlinien der EU schreiben für Unternehmen aus unterschiedlichen Industrien Ziele für die Reduzierung von Kohlendioxid-Emissionen vor, von der Stromerzeugung bis zur Herstellung von Baumaterial. In der ersten ETS-Phase von 2005 bis Ende 2007 sind Unternehmen aus den Branchen Energieerzeugung, Ölraffinierung, Stahl, Baumaterial, Mineralprodukte, Zellstoff und Papier betroffen. In der zweiten Phase von 2008 bis 2012 wird dies vermutlich auf weitere Branchen wie die Chemische Industrie und das Transportwesen ausgeweitet. Die betroffenen Unternehmen können wählen, ob sie ihre Emissionen reduzieren oder ob sie Emissionsrechte auf dem freien Markt kaufen.

"Firmen, die auf dieses Szenario nicht umfassend vorbereitet sind, entstehen unnötige Kosten und drohen eventuell hohe Strafen, die sich auf mehrere Millionen Euro belaufen können. Um diese Kosten zu vermeiden, müssen die Unternehmen ihre Strategien, ihre IT- Systeme und ihre Geschäftsprozesse für das Emissionsmanagement auf den neuesten Stand bringen", legt LogicaCMG-Chef Peter Herrmann der Industrie nahe.

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